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CD des Monats Juli

Brigitte Junger: Kunst-Stücke für Kinder – Franz Marc „Die gelbe Kuh“

Einführung

Wie verbrachte der berühmte Künstler Franz Marc seine Kindheit?  Warum malte er gelbe Kühe, blaue Pferde oder lila-braune Affen? Und wie reagierten die Menschen darauf? Das Hörspiel Kunststücke für Kinder: Franz Marc „Die gelbe Kuh“ vermittelt auf ansprechende Weise Wissen über den Künstler und seine ungewöhnlichen Werke. Herausragende Sprecher und Musik ermöglichen Kindern ein informatives Hörerlebnis mit vielen Informationen über die Entwicklung der modernen Kunst.

Inhalt

001 Die gelbe Kuh und was es damals noch so gab         4`40
„Gelbe Kühe gibt es nicht! Ich kenne nur schwarz-weiße oder braune Kühe! Was hat sich dieser Franz Marc nur dabei gedacht?“ Verwundert und zum Teil empört waren die Reaktionen der Menschen auf Franz Marcs Kunstwerke. Eine gelbe Kuh, blaue Pferde oder grüne Katzen hatten die Menschen 1911 in München noch nicht gesehen. Dabei war München im 19. Jahrhundert eine der Kunstmetropolen in Deutschland. Die kunstbegeisterten Bürger liebten jedoch nicht das Moderne und Neue in der Kunst. Wer damals in eine Ausstellung ging, sah Bilder auf denen Kühe oder Pferde ziemlich genau so gemalt waren, wie man sie in der Natur erleben konnte.
Wann und warum Franz Marc begann seine außergewöhnlichen farbenfrohen Bilder zu malen, ist auf den folgenden Tracks zu hören.

002     Franz Marcs Kindheit in München                            5`40
Am 08. Februar 1880 wurde Franz Marc in München als zweiter Sohn geboren. München war schon damals eine richtige Großstadt. In Deutschland gab es noch einen Kaiser, Bayern war ein Königreich und München die dazugehörige Hauptstadt. Der Vater von Franz Marc war Künstler. Er war nicht besonders berühmt, konnte jedoch von seiner Kunst leben. Im Sommer fuhren die Eltern mit den Kindern oft zum wandern in die Berge, später macht Franz Marc das auch alleine. Was ihm gefiel, hielt er in seinem Skizzenbuch fest.

003     Reise nach Paris                                                       5`38
Wie man mit Pinsel und Zeichenstift umgeht, hatte Franz Marc von Kind auf bei seinem Vater beobachtet. Allerdings ebenso wie sein Vater Maler zu werden kam ihm nicht in den Sinn. Erst nach seinem Militärdienst beschloss er Künstler zu werden. Er schrieb sich an der Münchner Kunstakademie ein und lernte so zu malen wie alle anderen Maler. Er freundete sich mit Friedrich Lauer an. 1903 unternahmen sie eine Reise in die französische Kunstmetropole Paris. Sie beobachteten die Maler im Park, erkundeten den Louvre und andere Museen.

004     Auf der Suche                                                           6`58
Am meisten begeisterten Franz Marc die Bilder der Impressionisten. Sie öffneten ihm die Augen dafür, was man mit Farben alles machen kann.
Nach seiner Rückkehr beschloss Franz Marc nicht mehr an der Akademie weiter zu studieren. Die Kunstauffassung war ihm zu traditionell. Er suchte sich ein Atelier und arbeitet selbstständig. Oft zog es ihn raus in die Berge. Er malte Landschaften und Portraits. Zufrieden war er damit nicht: Er war auf der Suche nach einem eigenem Stil.

005     Natur malen                                                              5`02
Dass Tiere auf seinen Bildern einmal das Wichtigste sein könnten, hätte er nicht für möglich gehalten. Er unternahm Reisen nach Griechenland und Paris. Wieder schaute er sich die Bilder der Impressionisten an, merkte jedoch, dass deren Motive austauschbar waren. Wichtig war ihnen allein das Licht. Ihm war das zu wenig, denn die Impressionisten sehen Dinge seiner Überzeugung nach nur von Außen. Franz Marc vertiefte sich in die Natur und versucht das innere Leben, die Gefühle, die Seele von Erscheinungen auf seinen Werken festzuhalten. Seine Kollegen in München können mit seinen Bildern jedoch nichts anfangen.

006     Was Pferde fühlen                                                    4`22
Franz Marc begann nur noch das allereinfachste in der Natur zu malen: Hier fand er das Geheimnisvolle. In Lenggries malte er sein erstes Pferdebild. Sehr genau beobachtet er die Pferde, ihre Bewegungen, den Aufbau der Muskeln und Knochen. Er wollte die Natur nicht einfach abmalen, das Wesentliche jedoch trotzdem erfassen.
Der Maler fand für die Bewegungen von Menschen und Tieren eine neue Formensprache. Seine Pinselstriche wurden breit und ungeheuer lebendig. Er vereinfacht und  löste Einzelheiten immer mehr in farbige Flächen auf. Wenn er ein Pferd malte, sollten die Menschen erkennen: Das ist ein Pferd in der Natur. Die Rasse ist gleichgültig. Wichtig ist ihm, dass der Betrachter das innere zitterige Tierleben herausfühlen kann. Er wollte Tiere nicht malen wie wir sie sehen, sondern wie sie seiner Meinung nach wirklich sind, wie sie sich fühlen, er möchte malen, was hinter dem äußeren Schein verborgen ist.

007    Die Farben machen sich selbstständig                      3`36
Franz Marc wurde sich immer sicherer, was und wie er malen wollte. Nur wie er die Farben in seinen Bildern verwenden sollte, war ihm noch nicht ganz klar. Noch hatten die Tiere die Farbe, die sie auch in Wirklichkeit hatten. Dass es auch anders ging, sah er auf den Bildern anderer junger Maler. Einer dieser Maler war August Macke, den er im Jahre 1920 kennenlernte. Auch er sah die Welt in seinen Bildern mit anderen Augen. Er vereinfachte die Motive und verwendete leuchtende Farben, die ein Eigenleben führen. Für ihn waren die Farben unabhängig von den Dingen.
Franz Marc gefiel die Idee, den inneren Klang der Natur durch Farben stärker ausdrücken zu können. Immer mehr beschäftigte ihn der  Gedanke, wie sich die Natur wohl im Auge eines Tieres wiederspiegelt. Wie sehen Tiere die Welt?

008    Von wegen primitiv                                                   5`14
Im Alter von dreißig Jahren fand er seinen eigenen Stil. Er malte rote und blaue Pferde und bettet die Tiere immer in die Natur ein. Im Völkerkundemuseum Berlin besuchte er die Ausstellung der „Primitiven Völker“ und war begeistert, wie gut sie die Natur verstehen. Zudem sah er in einem Buch Kunstwerke der antiken griechischen Völker. Was ihm am besten gefiel, war eine  Kuh auf einem Becher, die alle viere von sich streckt. Zurück in Sindelsdorf beobachtete er eine Kuh auf einer Weide undfand, dass sie sehr fröhlich aussehe. Fröhlich ist auch das Bild von der gelben Kuh, das er anschließend malte.  

009     Die gelbe Kuh                                                           9`49
Die Kuh, die Berge und die Rehe sind in einfachen Formen auf Franz Marcs Bild zu sehen und trotzdem ganz genau zu erkennen. Die Hügel und Wiesen hingegen sind eher unbestimmte Farbflächen, die alles Mögliche darstellen könnten. Er hat alle Einzelheiten weggelassen und vereinfacht, d.h. abstrahiert. Sein Malerfreund Wassili Kandinsky tat das in noch stärkerem Maße: Auf seinen Bildern waren fast gar keine Gegenstände mehr zu sehen. Häuser oder Reiter hatte er in runde bzw. eckige Formen aufgelöst.
In der neuen Künstlervereinigung München waren einige Kollegen gar nicht begeistert von den abstrakten Bildern. Nach einem Streit treten Franz Marc und Wassili Kandinsky aus der Vereinigung aus und gründeten eine neue Künstlergruppe: Den Blauen Reiter. Schon nach kurzer Zeit organisierten sie Ausstellungen, zu denen Künstler aus ganz Europa eingeladen wurden. Ihre Idee von Kunst sollte die Welt verändern.
Franz Marc hatte noch viele neue Ideen nachdem er die gelbe Kuh gemalt hatte.  Er malte zahlreiche Bilder, die immer abstrakter wurden. Viele Menschen interessierten sich nicht für seine Bilder. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, wurde Franz Marc als Soldat einberufen. 1916 im Alter von 36 Jahre wurde er in Frankreich durch einen Schuss getötet. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus in Deutschland.

Trackliste

001   Die gelbe Kuh und was es damals noch so gab      4´40
002   Franz Marcs Kindheit in München                            5`40
003   Reise nach Paris                                                      5`38
004   Auf der Suche                                                          6`58
005   Natur malen                                                             5`02
006   Was Pferde fühlen                                                   4`22
007  Die Farben machen sich selbstständig                    3`36
008   Von wegen primitiv                                                  5`14
009   Die gelbe Kuh                                                          9`49

Ideen zur Umsetzung

Das Hörspiel bietet vielfältige Ansatzpunkte, die im pädagogischen Kontext genutzt werden können. Einsetzbar ist das Hörbuch ab acht Jahren. Sowohl im Schulbereich – insbesondere im Kunstunterricht – als auch in der außerschulischen Bildung lässt es sich gut einsetzen. Die kurzen Tracks eignen sich dazu, das Hörspiel in mehren Etappen zu hören.

  • Auf Track 001 hört ihr die Reaktionen der Menschen auf Franz Marcs Kunstwerke. Nehmt das Booklet der CD mit der Abbildung des Gemäldes und macht eine Umfrage auf dem Schulhof. Wie reagieren eure Mitschüler darauf?
  • Auf sTrack 007 ist zu hören, dass Franz Marc sich die Frage stellt, wie Tiere wohl die Welt sehen. Was glaubt ihr? Begebt euch gemeinsam an einen Ort und betrachtet eine Situation. Sucht euch ein Tier aus und malt die Erscheinung aus dessen Perspektive (z.B. Maus, Elefant, Vogel). Betrachtet die Bilder anschließend und sprecht darüber. Franz Marc gefiel die Idee, den inneren Klang der Natur durch Farben stärker ausdrücken zu können. Gelb war für ihn eine fröhliche Farbe. Was glaubt ihr, wie klingt gelb? Wie klingen blau, grün oder grau? Nehmt Orff-Instrumente oder bastelt aus Alltagsgegenständen Instrumente. Versucht selbst unterschiedliche Stimmungen mit Hilfe von Instrumenten auszudrücken. Welches Instrument eignet sich für welche Stimmung?  
  • Sucht im Internet nach weiteren Bildern von Franz Marc oder einem anderen Künstler und druckt sie aus. Sammelt Informationen über das Bild. Wer hat es gemalt? In welcher Epoche ist das Bild entstanden? Was war für diese Epoche typisch? Erarbeitet einen kurzen „Steckbrief“ und präsentiert eure Informationen den anderen Kindern. 
  • Betrachtet euer Bild genau. Was passiert wohl auf diesem Bild? Welche Geschichte verbirgt sich dahinter? Welche Geräusche passen zu eurer Geschichte? Denkt euch eine Geschichte aus und vertont sie anschließend als Audioguide. Im Rahmen einer Ausstellung können sich andere Kinder eure Geschichten anhören.
  • Auf der CD sind unterschiedliche Geräusche zu hören. Welche hört ihr? Kennt ihr alle Geräusche? Welche waren neu? Macht einen Hörspaziergang und achtet genau auf die Geräusche die ihr hört.

Zur Produktion

Brigitte Jüngers Produktion weiß in vielerlei Hinsicht zu überzeugen. Unter den Sprechern ist Udo Wachtveitl hervorzuheben, der als Franz Marc das Hörspiel mit Leben füllt und der Geschichte zusätzlichen Charme verleiht. Den beiden Erzählern Marion Mainka und Friedhelm Ptok gelingt es die zahlreichen Fakten kreativ und ansprechend zu beschreiben ohne den Zuhörer zu überfordern. Kleine Hörspielpassagen lockern die informationshaltigen Texte auf. Dazu trägt auch die klassische Musik bei, die die Atmosphäre und Stimmung der Szenen unterstützt und der Geschichte Dynamik verleiht. Die Alltagsgeräusche wirken teilweise illustrierend und verdeutlichen bereits Gesagtes. Da diese jedoch nicht zu häufig eingesetzt werden, können sie für Kinder durchaus anregend wirken. Positiv hervorzuheben ist die ca. 20 cm große Abbildung der „Gelben Kuh“ im Inneren des Booklets.

Das Hörspiel „Franz Marc: Die gelbe Kuh“ war im März 2010 auf der Hörbuchbestenliste von hr2 kultur.

Fazit

Kunst-Stücke für Kinder „Franz Marc – Die gelbe Kuh“ ermöglicht eine lebendige Einführung in die Entwicklung der modernen Malerei. Fachbegriffe aus der Kunst werden gut erklärt, mit Beispielen veranschaulicht und sind daher für Kinder leicht verständlich. Neben der Biographie des Malers und einem Einblick in die Kunstszene wird auch die Entwicklung des Expressionismus akkustisch erlebbar. Brigitte Jünger gelingt es „Die gelbe Kuh“ lebendig werden zu lassen und phantasievoll Wissen zu vermitteln.
Neben „Franz Marc – Die gelbe Kuh“ sind in der Reihe Kunst-Stücke für Kinder noch weitere Hörspiele wie z.B. Leonardo da Vinci „Mona Lisa“ bei Igel Genius erschienen.

Tip1: Unter dem Link befindet sich eine Hörprobe.

Tip 2: Wie es klingt wenn Kinder ein Audioguide für Kinder produzieren, zeigt die CD "Das springende Pferd. Ein Spaziergang mit Franz Marc und seinen Freunden. Audioguide von Kindern für Kinder." Weitere Informationen finden Sie hier.

Angaben zur Produktion

Hörspiel

Verlag:
  Igel Genius (www.igel-records.de oder www.igel-genius.de)
Autorin: 
Brigitte Jünger
Erscheinungsdatum:
  Februar 2010
Empfohlenes Alter:    Ab 8 Jahren
Umfang:
                     1 CD (ca. 51 Minuten)

Sprecher/innen:
Franz Marc: Udo Wachtveitl
Erzählerin:  Marion Mainka
Erzähler:  Friedhelm Ptok
Maria Franck: Katja Schild
Friedrich Lauer: Heiko Ruprecht
Vater:  Hans Jürgen Stockerl
Mutter:  Silvie Sperlich
Publikum: Sabrina Litzinger
Margareta Wolf: Johannes Steck
August Macke:  Florian Schwarz
Wassili Kandinsky:  Detlef Kügow-Klenz
Senner:  Harry Täschner
Titelansage: Dominik Freiberger

Aufnahme und Technik
Aufnahme:     Bayerischer Rundfunk, München
Technik:     Sarah Klein und Gabriele Klietsch
Aufnahme:     Studio Eins A
Technik:     Michael Sonnen und Mahan Taghizad
Aufnahme:     creative studio, Hamburg
Aufnahme:     Rudi Mika
Ton und Technik: Ben Ahrens
Musikzusammenstellung: Brigitte Jünger
Regie und Produktion:     Brigitte Jünger
Gestaltung und Layout:     Anette Weegner

Bibliographische Angaben
Audio-CD: Kunst-Stücke für Kinder – Franz Marc „Die gelbe Kuh“, Jünger, Brigitte,
9 Tracks, 51 Min., Igel Genius 2010
ISBN 978-3-89353-297-1
Preis 12,95 Euro

Rezension: Simone Groos, Stiftung Zuhören

Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:
http://www.ifak-kindermedien.de/

Darüber hinaus erscheint die „CD des Monats“ bei SCHAU HIN! https://www.schau-hin.info.de
Die Initiative bietet Eltern eine Hilfestellung zum Umgang mit Medien für Kinder.

 



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