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    Cd des Monats August 2008

    Ella in der Schule

    Einführung

    Wer kennt nicht Pippi Langstrumpf, das rebellische Mädchen, das immer aufregende Abenteuer erlebt und nicht viel von der Schule hält?

    Ella geht gern zur Schule. Trotzdem sind die Geschichten, die sie dort erlebt, nicht minder aufregend. Chaotisch geht es allemal zu, dort wo Ella und ihre Schulkamerad/en/innen auftauchen. Das treibt Ellas Lehrer schon mal gerne zur Verzweiflung und manchmal sogar an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Doch letztendlich wenden sich – wie bei Pippi Langstrumpf – auch bei Ella alle Geschehnisse doch noch zum Guten.

    "Ella in der Schule" von Timo Parvela, nach dem gleichnamigen Buch aus dem Carl Hanser Verlag, sind 23 kleine Geschichten, die chronologisch zusammenhängen und ein ganzes Schuljahr von Ella und ihren Freunden beschreiben. Die 23 Tracks lassen sich vier großen Themen zuordnen: einer geheimnisvollen Erpressung, einem chaotischen Theaterstück, einer Klassenfahrt mit Hindernissen, und der Vergabe der Zeugnisse am letzten Schultag.

    Vorgelesen werden die einzelnen Geschichten von Friedhelm Ptok, die Doppel-CD mit Ellas Abenteuern gibt es bei Igel-Records.

    Inhalt

    Ella und ihre Freunde Pekka, Hannah, Mika, Tiina, Timo und Heidi gehen in die erste Klasse, und zwar in die "a", denn in der "b" sind ja alle doof. Dort werden sie von "dem Lehrer" unterrichtet, der den Worten und den Taten seiner Schülerinnen und Schülern mit einer gehörigen Portion Ironie begegnet, manchmal auch mit Sarkasmus und bisweilen sogar mit Zynismus. Letzterer ist ein Anzeichen von Resignation, wenn Ella und die anderen es geschafft haben, den nicht unbedingt dünnen Geduldsfaden des Lehrers zum Reißen zu bringen.

    So beginnt das Schuljahr von Ella, ihren Freunden und dem Lehrer mit einer Erpressungsgeschichte. Der Lehrer benimmt sich nämlich so seltsam, er bekommt dauernd Briefe, wirkt nervös und vergisst sogar Mika zu ermahnen, als dieser mit total dreckigen Schuhen ins Klassenzimmer kommt. "Er wird bestimmt erpresst!" schlussfolgern Ella und ihre Schulkameraden, und sie beschließen dem Lehrer bei dieser Geschichte zu helfen. Zunächst gilt es natürlich herauszufinden, wer hinter der Erpressung steckt, warum der Lehrer erpresst wird und wo die Geldübergabe stattfinden wird. Trotz vieler Versuche, gelingt es den Kindern nicht, die Fragen "Wer?" und "Warum?" zu beantworten, mehr Glück haben sie aber bei der Frage nach dem "Wo?". Die Kinder hecken einen Plan aus, den Koffer des Lehrers vor der Geldübergabe gegen einen anderen Koffer zu tauschen, so dass der oder die Erpresser nur wertlose Micky-Maus-Hefte erhalten. Auch wenn Pekka – das hungrigste, aber mitnichten das schlauste Kind der Clique – der Meinung ist, dass die Hefte ja eigentlich viel wertvoller seien.

    Zur angeblichen Geldübergabe im Park bringen die Kinder dann sogar die Polizei mit. Doch für die gibt es dort nichts aufzuklären, denn bei dem vermeintlichen Erpresser handelt es sich um die Lehrerin aus der "b", die sich am "Übergabeort" mit dem Lehrer verabredet hat, um mit ihm von dort aus in die gemeinsamen Flitterwochen zu starten. Die Lehrerin aus der "b" und der Lehrer aus der "a" haben nämlich geheiratet und die "Erpresserbriefe", von denen der Lehrer beim Lesen so nervös wurde, sind in Wahrheit Liebesbriefe der Lehrerin gewesen. Nachdem diese Geschichte also doch noch ein gutes Ende gefunden hat, begleiten Ella und die anderen als Hochzeitszug den Lehrer und seine Frau zum Bahnhof, von wo aus sich die beiden Erwachsenen zu ihrer Hochzeitsreise aufmachen. Dumm nur, dass sich im Koffer des Lehrers keine Kleider und Hygieneartikel sondern Comics befinden. Aus dem Urlaub sendet der Lehrer seiner Klasse dann eine Postkarte auf der "Schöne Grüße aus Entenhausen!" steht. Ella, Timo, Hannah, Mika, Tiina und Heidi freuen sich sehr darüber. Nur der etwas langsame Pekka fasst die ganze Geschichte nochmals verwundert zusammen: "Trotzdem komisch, dass er eine Erpresserin geheiratet hat."

    Vor Beginn der Weihnachtszeit überträgt die Direktorin der Schule dem Lehrer der "a" die Aufgabe, ein Krippenspiel mit seinen Schülerinnen und Schülern aufzuführen. Ella und ihre Freunde sind natürlich hellauf begeistert. Schade ist nur, dass der Hausmeister alle Kostüme aus dem Schulbestand für wohltätige Zwecke verschenkt hat. So müssen Ella, Mika, Pekka, die Lehrerin der "b" und der Lehrer neue Kostüme für die Schulaufführung auf einer Auktion besorgen. Natürlich geht das Ganze nicht ohne Probleme vonstatten, schließlich waren die Kinder noch nie bei einer Versteigerung und wissen nicht, welche Regeln man dabei beachten muss. Und so ersteigern die Fünf zunächst ein Seil, eine Schubkarre und drei Schneeschaufeln, bevor sie mit dem restlichen Geld endlich zu ihren Kostümen kommen. Natürlich muss man sich nicht darüber wundern, dass es sich bei den erworbenen Gewändern um genau dieselben Kostüme handelt, die der Hausmeister der Heilsarmee spendiert hatte. Endlich mit den richtigen Requisiten ausgestattet, machen sich die Kinder unter der Regie des Lehrers an die Proben für ihr Krippenspiel. Während die Generalprobe noch einigermaßen gut läuft, versinkt die Aufführung natürlich im Chaos: die Drei Weisen aus dem Morgenland betreten die Bühne nur zu zweit, weil Pekka noch auf der Toilette ist, wo er auch das Geschenk für das Christuskind liegen lässt; ein Hirte zerstört mit seinem Stab die "Stern von Bethlehem"-Lampe; der weinerliche Mika rennt heulend von der Bühne usw. Trotzdem erntet die Klasse natürlich einen Riesenapplaus für ihre eigenwillige Interpretation der Weihnachtsgeschichte.

    Kurz vor Ende des Schuljahres machen sich Ella und ihre Klasse gemeinsam mit der Lehrerin und dem Lehrer auf zu einer Klassenfahrt mit dem Bus. Leider vergisst der Lehrer ob des ganzen Koordinationsstresses bei der Abfahrt seine Reisetasche auf dem Schulhof. Dort befindet sich auch das ganze Geld aus der Klassenkasse. Die Spaghetti Bolognese im Restaurant können die Lehrkörper zwar noch bezahlen, aber bereits im Kunstmuseum wird der Ausflugsgesellschaft der Eintritt ohne Bezahlung verwehrt und so besichtigen die Kinder kurzerhand nur die Eingangshalle des Museums, worüber sie natürlich gar nicht traurig sind. Die Reise geht weiter zum Zoo, dort zeigt man sich beim Eintritt etwas kulanter (die Lehrerin hat sich darum gekümmert). Im Zoo lassen zunächst die wilden Tiere auf sich warten. Während der Lehrer, die schlaue Hannah und Timo, der Alleswisser, Ella und den anderen "Wissenswertes" über die verschiedenen Tiere erzählen, machen sich die beiden Klassenclowns Pekka und Mika daran, die anderen Zoobesucher auf ihre Weise zu unterhalten. Dabei verdienen sie sogar noch ein wenig Kleingeld.

    Schließlich kommen nach einer eher ruhigen Rückfahrt alle wieder heil in der Schule an, wo auf dem Schulhof immer noch die Reisetasche des Lehrers auf diesen wartet.

    In der letzten Geschichte – also am letzten Schultag – sorgen die beiden Klassenchaoten noch einmal für richtigen Wirbel. Pekka verliert sein Zeugnis, weil er einen Papierflieger daraus bastelt und dieser Flieger sich im Geäst einer Birke verfängt. Mika lässt sich beim Versteckspiel im Klassenzimmer einschließen. Mika versucht, durch das Fenster des Zimmers den Ast der Birke zu erreichen um Pekkas Zeugnis herunter zu schütteln. Das Resultat: Pekka hat zwar sein Zeugnis wieder, dafür sitzt Mika jetzt im Baum und kann nicht hinab klettern. Ellas Lehrer versucht seinerseits Mika zu retten, verliert dabei seine Brille und hängt nun auch in der Birke fest. Die Lehrerin muss die Feuerwehr rufen, die den beiden "Früchten" vom Baum herunter auf den Boden hilft. Als die Feuerwehr wieder weg ist, zeigt Pekka Mika, wie er sein Zeugnis zwischen die Äste der Birke platzieren konnte. Er faltet sein Zeugnis erneut zu einem Papierflieger, schleudert ihn in die Luft und… tja, Sie wissen wohl oder ahnen bestimmt, wo das Zeugnisflugzeug landet!

    Damit geht für die jungen Schülerinnen und Schüler der "a" ein aufregendes erstes Schuljahr zu Ende, das alles in allem ganz gut und noch viel lustiger war. Natürlich erlebt Ella auch zwischen diesen großen Geschichten so manche urkomische Situation, z.B. im Theater, im Schwimmbad oder bei dem Spiel "Stille Post".

    Trackliste

    CD 1:

    Der Erpresser
    01 Unser Lehrer ist auf einmal so seltsam (02:58)
    02 Im Schwimmbad (03:47)
    03 Die Grube (04:50)
    04 Der zweite Brief (07:07)
    05 Die Umfrage (05:40)
    06 Der Koffer (02:20)
    07 Im Park (07:24)

    Was für ein Theater!
    08 Die Vertretung (04:35)
    09 Rechnen (04:35)
    10 Unser Lehrer ist zurück (02:49)
    11 Im richtigen Theater (06:55)
    12 Zurück in der Schule (03:25)

    CD 2:

    01 Die Versteigerung (05:02)
    02 Die Generalprobe (03:27)
    03 Das Krippenspiel (04:36)

    Auf Klassenfahrt
    04 Die Abreise (03:41)
    05 Im Bus (04:34)
    06 Im Restaurant (06:51)
    07 Kunst (03:22)
    08 Im Zoo (04:14)
    09 Wilde Tiere (07:11)
    10 Die Rückfahrt (02:18)

    11 Zeugnisse im Sommerwind (12:22)

    Zur Produktion

    Das Hörbuch "Ella in der Schule" ist schlicht aber keineswegs schlecht produziert.

    Friedhelm Ptok, der den Zuhörern das erste Schuljahr aus der Sicht von Ella schildert, sorgt mit seiner ruhigen, mitteltiefen Stimme zwischen Alt (wenn Mika weint) und Bariton (wenn Pekka versucht, wie "Darth Vader" aus "Star Wars" zu reden) für eine angenehme Klangatmosphäre. Obwohl er nicht übertrieben stark zwischen einzelnen Stimmlagen wechselt, erkennt der Zuhörer die Figuren im Laufe der Geschichte sofort und kann sich schnell ein Bild von den Eigenschaften eines jeden Charakters machen. Besonders gut gelingt es Friedhelm Ptok, die "Immunität" von Ellas Freunden und Ella selbst gegenüber der Ironie und des Sarkasmus’ des Lehrers stimmlich zu transportieren und so einen ehrlichen Eindruck von der Ahnungslosigkeit der Kinder über die Tragweite ihrer gezogenen Schlüsse zu vermitteln, auf denen dann ihre weiteren (für die Kinder logischen, für die Zuhörer amüsanten) Handlungen beruhen.

    Vor allem für jüngere Kinder ist die Lesegeschwindigkeit an manchen Stellen zu schnell um die gesamte Komik und Ironie der Situation zu erfassen. Über dieses kleine Manko lässt sich aber mit einem Augenzwinkern hinweg sehen, da die beiden CDs es wert sind, mehrmals angehört zu werden. Und wer freut sich nicht darüber, auch beim dritten oder vierten Mal noch den ein oder anderen verschachtelten, auf vorangegangenen Ereignissen basierenden Witz zu entdecken, der ihr/ihm bis dato entgangen ist?

    Am Ende jedes Tracks erklingt für einige Sekunden Musik, die die einzelnen Abschnitte voneinander abtrennt. Dabei lassen sich diverse Saiten- und Schlaginstrumente entdecken, die je nach Handlungsverlauf, Spannungsbogen und zu Grunde liegender Komik ganz unterschiedlich miteinander harmonieren.

    Ideen zur Umsetzung

    Das Hörbuch eignet sich für Kinder ab ca. sieben Jahren:

    • Die Geschichten können aufgrund ihrer Länge von knapp drei bis ca. sieben Minuten hervorragend als Belohnung im Unterricht eingesetzt werden, z.B. zum Ende einer Schulstunde.
    • Man benutzt die 23 Tracks in der Vorweihnachtszeit als akustischen Adventskalender.
    • Die Kinder spielen gemeinsam als Ella und ihre Freunde einzelne Bilder oder Geschichten in Rollen-/Theaterspielen (wie Sketche) nach. Vorher wird gemeinsam diskutiert, wo die Pointen stecken und was die Ironie in den jeweiligen Situationen ist.
    • Alle Kinder basteln für jede Figur aus "Ella in der Schule" eine Handpuppe und erzählen ihren Klassenkamerad/en/innen die Geschichten auf ihre Art nach.
    • Die Kinder überlegen sich, was Ella und den anderen nach der ersten Klasse für Abenteuer widerfahren könnten und malen dazu ein Bild oder basteln aus Kartonage und Tonpapier eine Szenerie.
    • Die Kinder schauspielern mit ihren gebastelten Handpuppen oder gemeinsam in der Theatergruppe erfundene Abenteuer von Ella in der zweiten, dritten, vierten Klasse. (Anm.: "Ella in der zweiten Klasse" erscheint bald, s. u.)


    Fazit

    Zusammenfassend kann man sich nur der auf der CD-Hülle abgedruckten Pressestimme von Sieglinde Geisel anschließen, die die Buchvorlage für die Neue Züricher Zeitung rezensiert hat. Dieses Werk der doppelbödigen Komik steckt wirklich voller Verflechtungen von Wortspielen, Slapstick und höherem Blödsinn (Nachzulesen auf der Webseite des Hanser Verlages zu "Ella in der Schule" unter: http://www.hanser.de/buch.asp?isbn=978-3-446-20893-3&area=Kinderbuch). Ein humoristisches Muss für Jung und auch für Alt. Es bleibt zu hoffen, dass auch der am 20. August 2008 erscheinende Nachfolger "Ella in der zweiten Klasse" von denselben Machern für den Hörbuchmarkt adaptiert wird.

    Bibliographische Angaben

    Timo Parvela: "Ella in der Schule"
    Erzähler: Friedhelm Ptok
    Musik: Rudi Mika (Geige, Mandoline, Banjo, Gitarre), Ralf Kiwit (Xylophon, Bass), Ben Ahrens (Perkussion)
    Sprachaufnahmen: im soundgarden Studio, Hamburg
    Ton und Technik: Ben Ahrens
    Musik, Mix und Master: im subTone Studio, Dortmund
    Ton und Technik: Ralf Kiwit
    Titelillustration: Sabine Wilharm
    Produktion: Rudi Mika

    Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:
    http://www.ifak-kindermedien.de

    Tipps: Jetzt in den Sommerferien eignet sich die Doppel-CD herrvorragend dazu, die Langeweile bei Autofahrten vom oder zum Urlaubsort um knappe zwei Stunden zu verkürzen und Groß und Klein zum lachen zu bringen. Wer einen Eindruck von "Ella in der Schule" bekommen möchte, sollte sich einmal die Leseprobe auf den Kinderbuch-Webseiten des Hanser Verlags
    (http://www.hanser.de/ak.asp?area=Kinderbuch) anschauen. Dort findet man das Kapitel "Im Schwimmbad", den zweiten Track der ersten CD. Direkt zur Leseprobe geht es hier: http://files.hanser.de/hanser/docs/20070923_27923145516-56_978-3-446-20893-3.pdf