
CD des Monats Februar 2008
Eisbär, Dr. Ping und die Freunde der Erde
Das musikalische Hörspiel zum Klima-Musical
Einführung
"Standby goodbye!", so lautet das Motto der Produktion "Eisbär, Dr. Ping und die Freunde der Erde". Die Themen liegen klar auf der Hand und sind momentan weltweit in aller Munde: Klimaschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit unserer Umwelt.
So war es also Zeit auch unsere kleinsten und jüngsten Erdenbewohner für dieses Thema medial zu sensibilisieren. Entstanden ist daraus ein musikalisches Hörspiel zum gleichnamigen Klima-Musical, das der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) und der KONTAKTE Musikverlag gemeinsam produziert haben. Die Zielgruppe sind alle Umweltschützer (und solche, die es noch werden wollen) von vier bis 99 Jahren. Verglichen mit Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit" bietet die Hörspiel-CD weniger Tipps zum Schutz von Klima und Natur, als dass sie versucht, vor allem den jüngeren Zuhörern die komplexen Zusammenhänge zwischen menschlichen Verhaltensweisen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf unseren Planeten näher zu bringen. Im Falle von "Eisbär, Dr. Ping und die Freunde der Erde" funktioniert das folgendermaßen:
Inhalt
Der Eisbär Lothar vom Nordpol wundert sich eines Tages darüber, dass seine Eisscholle scheinbar immer kleiner wird, sie misst lediglich noch drei knappe Eisbären-Meter. Außerdem ist Lothar krank und hat Fieber - oder kommt ihm das nur so vor, weil ihm so warm ist? Er beschließt, seinen Freund, den schlauen Pinguin Prof. Dr. Ping um Rat zu fragen und macht sich auf die lange Reise zum Südpol auf…
Gleichzeitig sitzen Paula und Paul, zwei Kinder aus der Stadt, zu Hause und genießen den freien Abend ohne Mama und Papa. Sie knabbern Chips und Salzstangen, vor allem aber schauen sie fern. So lange, bis sie plötzlich ganz müde werden (ein Nebeneffekt des Knabbergebäcks) und sich ohne vorher die Zähne zu putzen schnell ins Bett schleppen. Neben der Mundhygiene vergessen die beiden Kinder auch den Fernseher und das Licht auszuschalten.
Darüber freuen sich besonders drei ganz spezielle Gestalten: die Stromfresser Watt, Volt und Ampere. Unter der Führung von Volt versuchen Watt, der Stromfresser mit "Berliner Schnauze", und Ampere, der Stromfresser mit dem französischen Akzent, in ihrem Einsatzgebiet um Paulas und Pauls Wohnort soviel Strom wie nur möglich wegzufressen. Dabei sind sie auf die Vergesslichkeit und Nachlässigkeit der Menschen angewiesen und daher bedient sich das zwielichtige Trio ganz spezieller Gerätschaften: ein riesengroßer Sandstreuer, um den Menschen Sand in die Augen zu streuen und ihnen damit die klare Sicht zu rauben, und eine besondere Fernbedienungskanone, mit der man in der Umgebung alle Stromverbrauchsgeräte einschalten kann. Mit diesem Werkzeug ziehen die Stromfresser durch die Straßen, bis sie schließlich die Wohnung von Paulas und Pauls Eltern entdecken…
In der Zwischenzeit ist Eisbär Lothar bei seinem Freund Dr. Ping am Südpol eingetroffen. Dr. Ping erklärt Lothar, dass er kein Fieber habe und dass der Klimawandel schuld an seinen Hitzeanfällen sei. Gemeinsam halten die beiden fest, dass die Sommer nun mal keine richtigen Sommer mehr seien - und die Winter keine richtigen Winter. Sie beschließen, etwas zu unternehmen. Aber was? "Wir müssen den Menschen erklären, dass es so nicht weitergeht.", sagt Dr. Ping und der Pinguin macht sich zusammen mit dem Eisbären auf zu den Menschen…
Wo landen Lothar und Dr. Ping? Natürlich bei Paula und Paul daheim. Lothar nistet sich sofort im angenehm kalten Kühlschrank der Menschen ein, während Dr. Ping den beiden Schulkindern erklärt, dass die Erde immer wärmer und die Luft immer schlechter wird. "Und meine Eisscholle immer kleiner!", ergänzt Lothar.
Die Gründe dafür finden sich u. a. in Paulas und Pauls Zuhause: sie verbrauchen zuviel Energie, also Strom, denn ihr Fernseher läuft immer noch, alle Lichter sind an - und die Tür des Kühlschranks, in dem Lothar gerade sitzt, steht sperrangelweit offen. Schleunigst wird alles ausgeschaltet und zugemacht, damit die Stromverschwendung ein Ende hat.
Doch da treten heimlich und leise die Stromfresser wieder auf den Plan. Mithilfe der Fernbedienungs-Einschaltkanone bringen Volt, Watt und Ampere alle Gerätschaften wieder zum Laufen.
Und während Paula und Paul sich noch wundern, warum der Strom wieder überall an ist, hat der schlaue und belesene Prof. Dr. Ping bereits einen Verdacht: die Stromfresser waren bei den Kindern und haben ihr Unwesen getrieben. Dr. Ping erklärt Paula und Paul, dass die Stromfresser Volt, Watt und Ampere eines von vielen tausend Stromfresser-Teams auf der ganzen Welt seien. "Stromfresser fressen mehr Strom als man braucht. Man findet sie in alten Kühlschränken und Gefrierschränken und in so genannten Standby-Schaltungen.", liest Dr. Ping aus seinem großen Universallexikon vor. Den beiden Kindern geht ein Licht auf: "Aber dann müssen wir ja alles ausschalten!".
Paula und Paul versprechen den Polbewohnern, in der Schule auf das Problem mit den Stromfressern aufmerksam zu machen und genügend ähnlich denkende Mitschüler/innen dazu zu bewegen, nach der Schule auf Stromfresser-Jagd zu gehen. Gemeinsam sind sie "die Freunde der Erde." Lothar und Dr. Ping machen unterdessen ein ausgiebiges Nickerchen und schon schleichen sich die Stromfresser wieder in die Wohnung hinein. Sie überwältigen den Eisbären und den Pinguin, fesseln und knebeln sie und stellen erneut alle Geräte im Haushalt auf "On". Dann verschwinden sie wieder…
Aus der Schule zurück, befreien Paula und Paul die Gefesselten und gemeinsam schmieden die vier einen Plan, den Stromfressern das Handwerk zu legen. "Stromfresser kann man ausschalten!", zitiert Dr. Ping sein Universallexikon. Gesagt, getan. Die Stromfresser werden in die Falle gelockt: als sie ein drittes Mal versuchen, alle nochmals ausgeschalteten Geräte wieder einzuschalten, werden sie ihrerseits von Dr. Ping, Lothar, Paula und Paul gefesselt und endgültig ausgeschaltet. Bei Watt, Volt und Ampere findet sich auch eine Liste mit allen gierigen Stromfresser-Teams auf der ganzen Welt. Die gilt es nun ebenfalls auszuschalten. Aber wie sollen zwei Schulkinder und zwei Tiere das bewerkstelligen? Zum Glück gibt es da noch Paulas und Pauls Freunde aus der Schule, die ihnen dabei helfen wollen. Doch auch ihre Zahl reicht nicht aus, es muss mehr "Freunde der Erde" geben. Und deswegen fordern Dr. Ping und Lothar eine Genehmigung für alle Kinder dieser Welt - genauer gesagt eine Lizenz: Die Lizenz zum Ausschalten!
Zur Produktion
Das Klima-Hörspiel lehnt stark an das Musical an, Erzählung, Dialoge und Gesangstücke wechseln sich harmonisch und gleichrangig ab, so dass keine Langeweile beim Zuhören aufkommt. Text und Gesang sind miteinander verknüpft, d.h. es gibt keinen einzeln abspielbaren Track, der nur Musik enthält - diese ist wie bei einem richtigen Musical praktisch integriert. Auch die Reihenfolge der musikalischen Stücke folgt dem typischen Musical-Plot: zunächst werden die Figuren mit Hilfe charakterisierender Lieder vorgestellt, danach arbeitet die Musik ergänzend mit der Handlung zusammen. Es folgen Lieder wie "Im Kühlschrank ist es wunderbar", "Alles hängt mit allem zusammen", "Aber wie?" und eben "Standby goodbye".
Das furiose Finale, im Anschluss an Dr. Pings Plädoyer dafür, dass es "auch anders geht" (nämlich mit weniger Stromkonsum, ohne Autos und dafür mit mehr erneuerbaren Energieträgern wie Sonne, Wind und Wasser), bildet ein großer Chor mit dem vierminütigen Lied "Wir sind Freunde der Erde - We are friends of the earth". Überhaupt sind die musikalischen Teile dieser CD ansprechend gestaltet und gut kombiniert aus reinen Kinderstimmen, erwachsenen Sängerinnen und Sängern und verschiedenen Mischformen daraus.
Alle Sprecher rund um die beiden deutschen Schauspieler Imogen Kogge und Gerd Wameling, die Dr. Ping und Lothar ihre Stimmen leihen, leisten solide Arbeit. Zwar gibt es keine verbalen oder akustischen Zaubertricks, die einen Charakter besonders innovativ dargestellt wirken lassen. Der Wiedererkennungswert der einzelnen Figuren ist aber vorhanden und besonders die gute Mischung der Sprechanteile von Erzähler, von den Protagonisten, des Anteils von Geräuschen und von Musik bzw. Gesang, machen diese Produktion zu dem, als was sie sich im Untertitel verkaufen will: zu einem "musikalischen Hörspiel zum Klima-Musical". Und zu einem guten dazu - mit einem wichtigen und ernstzunehmendem Thema, auch und besonders für jüngere Kinder.
Trackliste
01. Auf der Scholle (2:49)
02. Alles unter Strom (7:11)
03. Bei Paul und Paula zu Hause (2:23)
04. Eisbär Lothar und Dr. Ping (6:19)
05. Im Kühlschrank sitzt ein Eisbär! (6:23)
06. Schon wieder alles aus! (1:36)
07. Da haben wir den Salat! (5:05)
08. Ein kleines Nickerchen (1:37)
09. Gefangen! (3:01)
10. Aber wie? (1:06)
11. Ich glaub, ich hab ´nen Plan! (1:49)
12. Die Stromfresser tappen in die Falle (3:51)
13. So viele Stromfresser (3:40)
14. Lizenz zum Ausschalten (1:17)
15. Es geht auch anders! (2:21)
16. Und tschüss! (5:47)
Ideen zur Umsetzung
Das Hörspiel bietet Anregungen zur Auseinandersetzung und zur Vertiefung für Kinder ab vier Jahren:
- So kann mit den Kindern im Kindergarten, der Schule oder zu Hause eine "Exkursion" zu den "Stromfressern" gemacht werden. Dabei kann - wenn der Stromzähler in der Nähe ist - auch der Effekt nach dem Ausschalten der "Stromfresser" gezeigt werden.
- Energieberatungen der Kommunen haben oft spezielle Angebote für Kinder. Energieberater können in die Einrichtung eingeladen werden. Mit den Kindern werden Fragen vorbereitet.
- Kinder in der Grundschule können in einem Schreibwettbewerb, "Stromfresser" auflisten und ggf. auch Geschichten zu den "Stromfressern" schreiben.
- Im Rahmen von Aktionstagen in Kindergarten oder Schule können mit Bezug zur CD in Form von kleinen Sketchen usw. auch Eltern für das Thema sensibilisiert werden.
Der Versuch, einer Gruppe von Kindergartenkindern zwischen vier und fünf Jahren das Thema Umweltschutz durch dieses Hörspiel näher zu bringen, hat gezeigt, dass es mehrmaliger Wiederholung des Stückes bedarf. Die Kinder sind beim ersten, auch noch beim zweiten Mal mit Handlung und Figuren zu sehr beschäftigt, um dem eigentlichen Thema genügend Konzentration zu widmen. Danach begreifen aber auch die Kleinsten, dass "die Sache mit der Umwelt" eine Dringlichkeit (für uns Erwachsene) hat und fangen an, darüber Fragen zu stellen.
Wer seinen Kindern nicht die gesamte CD am Stück vorspielen möchte, profitiert von Track 8 "Ein kleines Nickerchen". Die Liedwahl und der Verlauf des Spannungsbogens, der an dieser Stelle endet um in einen weiteren überzugehen, eignen sich hervorragend für eine Pause, auch wenn das gesamte Hörspiel sich zeitlich bereits über der Hälfte befindet.
Fazit
"Eisbär, Dr. Ping und die Freunde der Erde" ist eine gute Hörspielproduktion zu einem Thema, an das sich andere Verlage aufgrund immer noch existierender Kontroversen nicht herantrauen. Wohl u. a. wegen dieses Mutes, wurde dem gesamten Projekt des Klima-Musicals (und dazu gehört auch dieses musikalische Hörspiel) der Status eines "Offizielles UN-Dekadeprojekts" der Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" verliehen.
Der einzige Wermutstropfen in diesem Kontext ist das magere Begleitmaterial im Booklet. Lediglich ein etwas mehr als zehn Sätze langer Text des Klimateams des BUND informiert zusätzlich über seine Arbeit und die Problematik mit der Umwelt und unserem Verhalten ihr gegenüber. Bleibt zu hoffen, dass die anderen Produktionen innerhalb des Projekts zu diesem komplexen Thema mehr Fakten, Hintergrundinformationen und Tipps für Kinder liefern.
Die Anlehnung des Hörspiels ans Klima-Musical gelingt auf jeden Fall, das Geld für den Preis in Höhe von 9,90 Euro ist sinnvoll investiert.
Verlag: Kontakte Musikverlag, Lippstadt (www.kontakte-musikverlag.de)
Erscheinungsjahr: 2007
Empfohlenes Alter: 4-6 Jahre
Bibliographische Angaben
Horn, Reinhard; Netz, Hans-Jürgen: Eisbär, Dr. Ping und die Freunde der Erde
Das musikalische Hörspiel zum Klima-Musical
1 CD, ca. 57 Minuten (16 Tracks), € 9,90
ISBN: 978-3-89617-204-4
Musik: Reinhard Horn
Text: Hans-Jürgen Netz
Hörspielregie: Martin Horn
Sprecher: Ping: Imogen Kogge, Lothar: Gerd Wameling, Paula: Karin Moog, Paul: Sascha Nathan, Ampere: Henning Hartmann, Watt: Arne Nobel, Volt: Christoph Pütthoff, Erzähler: Martin Horn
Gesang: Nora Becker, Markus Ehrhardt, Fabienne Haßlöwer, Simon Horn, Rebecca Nagel
Geräusche: David Jöhren, Christian Severin
Produktion: Ute Horn
Copyright: BUND und KONTAKTE Musikverlag, 2007
Die CD des Monats erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart: www.ifak-kindermedien.de
