
CD des Monats November 2008
Tamara Bach: Busfahrt mit Kuhn
Einführung
„Schreiben ist Lügen“ und „Rolf Zuckowski ist der Teufel“. Wer Tamara Bachs Werk „Busfahrt mit Kuhn“ anhören will, der darf sich nicht an solchen Behauptungen stören… und sollte auch sonst robust gegenüber dem heutzutage verwendeten Jugendsprachjargon sein.
Der Roadtrip einer 19-Jährigen Abiturientin und ihrer Freunde im Sommer ihres Lebens schildert auf interessante Art und Weise das Innenleben und das gesellschaftliche Umfeld junger Erwachsener. Einer literarischen Quest ähnelnd, führt die Reise der Protagonistin in „Busfahrt mit Kuhn“ quer durch Deutschland diese nicht nur von A nach B und wieder zurück, sondern sie hilft ihr auch beim Reifeprozess von ein jugendlichen Schülerin hin zu einer Erwachsenen.
Inhalt
Juni 2003: Rike ist 19 Jahre alt und hat gerade – wenn auch nicht mit glänzenden Noten – ihr Abitur bestanden. Wenn sie auf ihre Schulzeit zurückblickt, gibt es da keine besonders außergewöhnlichen Dinge: gute und weniger gute Fächer, Lernen, Prüfungen, Partys, Freunde. Nur eine Sache stört Rike schon. Diese Sache mit ihrer Jungfräulichkeit. Rike vermutet nämlich – nein – Rike glaubt zu wissen, dass sie die einzige Person in ihrer Abschlussklasse ist, die noch nie Sex hatte. Und diesen Umstand bedauert Rike sehr.
Doch ab sofort wird das Leben sowieso einen anderen Gang gehen, die Dinge werden sich verändern. Rike denkt darüber nach, ein Studium an einer Filmakademie zu beginnen. Auch Rikes Freunde werden in andere Städte ziehen, um dort zu studieren oder die Welt zu erkunden. Bis es jedoch soweit ist, beschließen Rike und ihre beste Freundin Sissi den „ultimativen Sommer“ zu erleben, denn nach dem Abi haben sie sich das verdient. Und: so wie jetzt wird es nie mehr sein.
Rike, Sissi und Sissis fester Freund Lex planen, eine Autoreise zum Tornado-Festival in Süddeutschland, genauer gesagt am Alpenrand zu machen. Sie wohnen hoch im Norden Deutschlands, daher geht die Fahrt eine Woche vorher los. Zwischendurch soll es mehrere Zwischenhalte in der ganzen Bundesrepublik geben, angefangen an der Ostsee bei einer „Art Cousin“ von Rike. Was den Dreien noch fehlt, ist ein fahrbarer Untersatz.
Doch zum Glück gibt es Kurti, Rikes älteren Bruder. Kurti hat einen alten VW-Bus, den er hegt wie seinen Augapfel und den er „Kuhns Eier“ nennt. Leider kommen Rike und Kurti nicht besonders gut miteinander aus, davon abgesehen würde Kurti niemanden mit seinem Bus fahren lassen, auch nicht wenn er selbst Alkohol getrunken hätte. Und genau aus diesem Grund fährt Kurti auch nicht mehr mit seinem alten Bus: Entzug der Fahrerlaubnis wegen Alkoholdelikten am Steuer. Um also an das Fahrzeug zu gelangen, müssen sich Rike, Sissi und Lex eines Tricks bedienen. Sie füllen Kurti abends mit hartem Alkohol ab, die Tarnung hierfür ist das Saufspiel „Ups“. Nachdem Kurti eingeschlafen ist, schleicht sich Rike an Kurtis Bett – dort wo immer die Fahrzeugschlüssel und die -papiere liegen – die drei Abiturienten „leihen“ sich Kurtis VW-Bus aus und machen sich mitten in der Nacht auf den Weg in den Süden. Kurz nach Reisebeginn sammeln sie noch Noah auf, der seine Freundin Marie besuchen will. Noah ist Rikes Schwarm und der einzige Junge während ihrer Schulzeit gewesen, von dem Rike dachte, dass sie mit ihm Sex haben würde. Dies ist aber nie geschehen, es blieb bei gelegentlichen Knutschereien zwischen den beiden. Und genau dieser Noah sitzt nun im Bus und ist mit von der Partie, damit er zu seiner neuen Freundin kommt. Dass Sissi und Lex Rike bis zuletzt nichts davon erzählt haben, machte die Sache für Rike nicht gerade leichter. Aber sie lässt sich nichts anmerken und die Reise beginnt.
Der erste Halt der kleinen Reisegruppe an der Ostsee verläuft noch relativ reibungslos. Natürlich wird nach der Ankunft und großem Hallo viel getrunken, natürlich haben alle am nächsten Tag einen Kater. Aber so ist es nun mal nach dem Abitur. Der zweite Zwischenstopp bei Lex’ Onkel und seiner Tante Hilde bietet schon weitaus mehr Reibungspotenzial. Während Lex sich vollaufen lässt und sich laut Sissi benimmt „wie einer von diesen Bauernjungs“, flirtet Sissi mit Ralf, einem ebenfalls dort ansässigen Jungen mit Dreadlocks. Als Lex betrunken ist und ausfällig und gemein zu seiner Freundin wird, verschwindet Sissi mit Ralf. Rike erfährt am nächsten Tag, dass die beiden miteinander geschlafen haben. Sissi erzählt Lex aber nichts davon. Die Fahrt geht weiter und der Restalkohol im Blut ist wieder der treue Begleiter der vier Busreisenden.
Die nächste Station liegt im Taunus bei Noahs Oma Tilly. Auch hier verläuft der Aufenthalt ähnlich. Während Rike und Sissi mit Tilly zu Abend essen, zieht es Lex und Noah zum Fest im Dorf von Noahs Oma. Dort betrinken sich die beiden Jungs erneut hemmungslos. Als die beiden jungen Frauen zu ihnen stoßen, gibt es einen weiteren Streit zwischen Sissi und Lex, der sich auf die gesamte Gruppenatmosphäre auswirkt. Nach einer kurzen Nacht und einem Katerfrühstück fahren die Vier mit „Kuhns Eiern“ zu Rikes Freundin Marlene.
Dumm nur, dass Marlene vergessen hat, dass ihr Rike und ihre Freunde einen Besuch abstatten wollten. Marlene ist bei einem Freund in Lyon und die Zurückgesetzten müssen im Bus übernachten. Um sich an diesem Abend die Zeit zu vertreiben, gehen die vier Freunde zu einem Weinfest. Während sich die drei anderen dem süßen Rebensaft widmen, setzt sich Sissi von der Gruppe ab. Als Rike sie sucht, bekommt sie gerade noch mit, wie Sissi mit Ralf – dem Jungen, den sie einige Tage zuvor kennen gelernt hat – verschwindet. Offenbar hatten sich die beiden verabredet. Sissi ist die ganze Nacht weg und taucht auch am nächsten Morgen nicht mehr auf. Lex und Noah bekommen in ihrem volltrunkenen Zustand nichts davon mit.
Als Lex am folgenden Morgen zerstört und sehr spät aufwacht, ist die Gruppe der drei Verbliebenen bereits weiter auf dem Weg Richtung Süden. Nachdem Lex erfährt, was passiert ist, gibt es für ihn kein Halten mehr. Als der VW-Bus in Nürnberg ankommt, steigt er am Bahnhof aus, um mit dem Zug weg zu fahren und Sissi zu suchen. Ohne lange Abschiedsworte lässt er Rike und Noah in „Kuhns Eiern“ zurück. Die beiden verbringen etwas Zeit in Nürnberg und als sie zum Bahnhof zurückkehren, ist der alte VW-Bus verschwunden. Noah hatte ihn unwissentlich im Halteverbot geparkt und nun wurde er abgeschleppt. Nach einem Telefonanruf erfahren die beiden, dass sie „Kuhns Eier“ ab 08.00 Uhr morgens am darauf folgenden Tag bei einem Autohändler auf dessen Hof abholen können. Ohne Unterkunft und Gepäck und nur noch mit wenig Bargeld in den Taschen beschließen Rike und Noah, die Wartezeit bei einer langen Filmnacht im Kino zu verkürzen. Während Noah die Nacht durchmacht, fällt Rike immer wieder in einen unruhigen Schlaf, in der die Ereignisse der vergangenen Tage in merkwürdigen Träumen an ihr vorbeiziehen.
Am nächsten Morgen ist der VW-Bus schnell abgeholt und die Reise wird fortgesetzt. Am Rande der Alpen, nicht mehr weit weg vom ursprünglichen Ziel, also dem Tornado-Festival, entfernt, beschließen Noah und Rike zu rasten. Sie stoppen „Kuhns Eier“, besorgen sich etwas zu essen, breiten eine Decke aus und schlafen anschließend nebeneinander ein. Als Rike aufwacht und Noah noch schläft, fasst sie einen Entschluss. Sie muss alleine bis zum anvisierten Ziel weiterfahren. Also verstaut sie leise ihre Sachen, wirft Noahs Gepäck aus dem Bus und fährt los…
Inzwischen hat Rikes Bruder Kurti natürlich gemerkt, dass er hereingelegt wurde und sein über alles geliebter VW-Bus verschwunden ist. Versucht er anfangs noch mit Rike zu telefonieren und sie zur Umkehr zu bewegen, findet er schon bald heraus, wohin Rikes Reise und die ihrer Freunde gehen soll. Kurzerhand setzt er alle Hebel in Bewegung, um mit seinen bescheidenen finanziellen Mitteln Rike und damit auch „Kuhns Eiern“ hinterher zu reisen. Doch auch sein Trip verläuft nicht wie geplant. Zunächst schließt er sich Bert und dessen Kumpels an, die in Kurtis Stadt wohnen und ebenfalls zum Tornado-Festival wollen. Die Reise beginnt für Kurti in einem beengten Renault und führt ihn zunächst ans Ijsselmeer nach Holland. Dort kauft Bert diverse Drogen für das Festival ein. Anschließend saust der Renault mit 150 Sachen zur deutsch-holländischen Grenze. Angesichts der vielen Betäubungsmittel im Auto und der berauschten Clique gerät Kurti in Panik, schließlich hat er bereits seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren. Nach einer Weile wird Kurti von Bert aufgefordert, aus dem Wagen zu steigen.
Ein LKW-Fahrer nimmt Kurti ein ganzes Stück Richtung Süden mit, lädt ihn zum Essen ein und schenkt ihm sogar ein Päckchen Tabak. Aber als Kurti von dem Brummifahrer sexuell belästigt wird, lässt er sich von diesem mitten auf der Autobahn von absetzen. Kurti setzt seine Reise mit Nancy fort, einer Rockerbraut, die mit ihm eine Liebesnacht in einem Motel verbringt. Am darauf folgenden Morgen ist Nancy fort und für Kurti geht es weiter als Beifahrer in einem Luxusschlitten. Der Fahrer entpuppt sich allerdings als wenig sympathisch und gesprächig. Als er Kurti zum Wasserlassen aussteigen lässt, braust er einfach davon. Den Rest der Reise bis zu den Alpen teilt sich Kurti die Rückbank mit den Kindern einer Familie auf Urlaubsreise. Die Eltern sitzen vorne, legen eine Kassette von Rolf Zuckowski ein und die ganze Familie singt lauthals mit. Das ist der Punkt, an dem sich Kurti denkt: „Das hier ist die Hölle, und Rolf Zuckowski ist der Teufel.“ Aber letztendlich kommt er doch beim Tornado-Festival an.
Rike hat einen Tag zuvor auch das Gelände des Rockfestivals erreicht und sich einen Stellplatz gesucht. Ihr Zeltnachbar heißt Joe. Joe ist ein ruhiger Typ, der Rike gut gefällt. Die beiden unterhalten sich, flirten miteinander und landen schließlich in Joes Zelt. Dort hat Rike mit Joe ihr erstes Mal. Der erste Sex ist für Rike nicht so atemberaubend, wie sie es aus den Erzählungen ihrer Freundinnen kennt, er kommt ihr fremd vor, aber er ist in Ordnung. Am nächsten Morgen verlässt Rike das Zelt und schlendert zur Bühne. Auf dem Weg dorthin trifft sie ihren Bruder Kurti.
Beide bleiben ruhig, kein Gezeter, keine Streitereien, keine Vorwürfe. Rike und Kurti haben auf ihren unterschiedlichen Reiserouten viel erlebt und sich dabei verändert. Gemeinsam beschließen sie, das Rockfestival – Rikes großes Ziel – zu verlassen und nach Hause zu fahren. Rike fährt „Kuhns Eier“, Kurti sitzt wortkarg auf dem Beifahrersitz. Auf ihrem Rückweg sehen sie Noah, der zu trampen versucht, und lassen ihn links liegen. Auf der Strecke sammeln sie Sissi und Lex wieder ein, die sich telefonisch bei Rike gemeldet haben. Rike, Sissi, Lex und Kurti kommen daheim an und die Quest findet ihr Ende. Im Epilog erfährt der Zuhörer eine potenzielle Fortführung der Geschichte: Noah heiratet Marie, Sissi zieht zum Studieren nach Leipzig, Lex nach Hamburg. Beide verlieben sich in andere Partner. Rike wird nicht an der Filmakademie angenommen, weil sie sich gar nicht erst beworben hat. Und trotzdem: „Es geht weiter. Wir stehen auf und gehen los, und irgendwann wird unser Gehen auch eine Richtung bekommen.“
Trackliste
CD 1
001 „Weißt du was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein.“ (7:18)
002 „Das war ja nichts, Rike.“ (6:38)
003 Nach den Feierlichkeiten werden meine Eltern für zwei Wochen nach Teneriffa fliegen (6:31)
004 Die Fahrt (einszwodreivier: Punkrock!) (8:55)
005 Wenig später (10:19)
006 Freitag, 13. Juni. Wir spielen schöne Zeit (8:37)
007 Sissi steht am Bus und hat die Arme verschränkt (12:13)
CD 2
001 Samstag, 14. Juni. Als wir zum Frühstück kommen (7:26)
002 Inzwischen. Kurti hat seit einem Tag versucht, Bert zu erreichen (6:46)
003 Inzwischen. Kurti rennt hin und her (10:56)
004 Sonntag, 15. Juni. Ich habe nicht gut geschlafen (10:31)
005 Wie es wohl ist, in so einer Gegend zu wohnen? (8:39)
006 Montag, 16. Juni. Irgendwann wache ich davon auf (8:28)
007 Als wir im Kino waren, um „From dusk till dawn zu sehen“ (8:11)
CD 3
001 Dienstag, 17. Juni. Ich bekomme keinen einzigen der Filme ganz mit (10:36)
002 Was sich Bert eingefahren hat, weiß Kurti nicht (8:31)
003 Sie sind zwei Stunden gefahren (7:53)
004 Mittwoch, 18. Juni. Als Kurti aufwacht (11:20)
005 Donnerstag, 19. Juni. Als es heller wird, richte ich mich langsam auf (6:53)
Zur Produktion
„Busfahrt mit Kuhn“ ist eine szenische Lesung mit sage und schreibe 20 verschiedenen Stimmen, viele von ihnen gehören hochkarätigen Synchron- und Hörbuchsprecher/innen. Die Autorin Tamara Bach spricht dabei die Ich-Erzählerin Rike, Patrick Bach ist Noah und Oliver Korittke verleiht Rikes Bruder Kurti seine Stimme. Der verwendete Sprachstil der Geschichte ist jugendlicher Jargon, der nicht gestellt sondern sehr real wirkt. Dabei fallen schon mal sehr rüde umgangssprachliche Wendungen wie „Fick dich!“ und „verdammte Scheiße“. Da in der Handlung auch der Konsum von Alkohol und Betäubungsmitteln eine Rolle spielt, tauchen milieuspezifische Ausdrücke wie „einen rauchen“ und „sich etwas einwerfen“ auf. Diesem wenig poetischen Stil werden die Sprecher/innen durch ihren Tonfall ebenso gerecht wie dem Umstand, dass Jugendliche nur selten und eher ungern der Umwelt zeigen, wie es um ihre Gefühle und ihr Innenleben bestellt ist. Aufgesetzte Gleichgültigkeit ob ihres eigenen Schicksals oder das von Mitmenschen begleitet die Jugend wie ein Schutzwall. Diese scheinbare Ignoranz, die in Wahrheit keine ist, wird im Hörbuch akustisch sehr schön widergespiegelt. Das wirkt anfangs beinahe so, als hätten die Sprecher/innen keine Lust vorzutragen. Schnell findet der Hörer aber heraus, dass sie es stimmlich meistern, trotz für die Charaktere emotional anspannender Situationen, lustlos, beinahe gelangweilt zu sprechen und gleichzeitig in bestimmten Frequenzen der Klangfarbe die wahre Gefühlslage der Figuren zu transportieren. Die Sprechgeschwindigkeit der Personen ist schnell – und damit einem Roadtrip angemessen – aber mit dem Gehör noch verfolgbar. Oliver Korittke in der Rolle des Kurti, der gerne „abhängt“, trinkt und ab und zu kifft, erinnert sehr an seine Filmrolle des Keek in „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“.
In „Busfahrt mit Kuhn“ werden häufig einige Zeilen aus Songtexten von Punk- und Rockbands zitiert, z.B. von den „Foo Fighters“ oder von „NOFX“. Schön ist, dass die Sprecher/innen in diesen Situationen die Zeilen frank und frei herausträllern, gesanglich mal besser, mal schlechter, ganz nach vorhandenem Talent. Dies erzeugt Authentizität und verleiht den Liedtexten noch mehr Bedeutung. Darüber hinaus wirken diese Songs wie ein Soundtrack zur Geschichte.
Genau wie die Buchvorlage ist auch die akustische Umsetzung in ihrer Präsentation besonders. Die Rahmen- bzw. Klammerhandlung des Werkes beschreibt Rike, die sich die Bedingungen zur Einreichung eines Drehbuchs für die Bewerbung bei einer Filmakademie durchliest. Dabei überlegt Rike, wie sie ihre Abenteuerreise im Sommer nach ihrem Abitur filmisch darstellen würde. So beginnt sie, die Geschichte zu erzählen, und sie gibt dabei Regieanweisungen und Kameraeinstellungen vor, z.B. Close-ups oder Schwenks. Weiterhin gibt es Schnitte und Rückblenden in ihrer Dramaturgie. Diese simulierte filmische Darstellung zieht sich bis zum Schluss der Geschichte durch und endet mit Rikes Epilog, der ebenfalls eine Drehbuchbedingung ist: „Aus Ihrer Beschreibung muss ersichtlich sein, welchen Ausgang Ihre Geschichte nimmt.“ In Verbindung mit den oben beschriebenen Soundtrackstrukturen entsteht so insgesamt ein audiovisuelles, storyboardhaftes Gesamtkunstwerk, das dem Zuhörer ein filmähnliches Erlebnis bietet.
Im Booklet zur 3er-CD-Box findet man alle Sprecher/innen in der Reihenfolge ihres Auftretens aufgelistet, mit dem Hinweis auf die Figuren, die sie sprechen, und außerdem mit einer kurzen Beschreibung ihrer beruflichen Werdegänge. Die einzelnen Tracknamen entsprechen den Sätzen, mit denen die jeweiligen Kapitel beginnen.
Ideen zur Umsetzung
Zum einen bietet Tamara Bachs „Busfahrt mit Kuhn“ inhaltlich jede Menge Anknüpfungspunkte zur Diskussion im Ethik-, Philosophie- oder Religionsunterricht. Mögliche Themen sind Selbstfindung, Individualität und Adoleszenz, weiterhin Freundschaft, Drogen und Musik.
Zum anderen lässt sich aufgrund der Erzählform in einer jugendlichen Projektgruppe ein richtiges Drehbuch erstellen. Dort können im Storyboard verschiedene kreative Techniken gemeinsam ausprobiert und miteinander vereint werden. Diese Techniken sind z.B. das Texten, das Zeichnen und das Fotografieren, darüber hinaus auch die Regie.
Fazit
„Busfahrt mit Kuhn“ ist ein „akustischer Roadmovie“ im Drehbuchformat für Jugendliche und junge Erwachsene, die ihre Adoleszenz noch nicht oder gerade erst hinter sich haben. Die Geschichte greift Probleme einer Generation auf, ohne mit dem Zeigefinger auf bestimmte Bewältigungsstrategien zu weisen. Im Gegenteil, der philosophische Grundton besagt, dass die Dinge sich im Leben nun mal verändern, und dass wir nicht immer den Einfluss darauf haben, den wir uns manchmal wünschen. Auch wird keiner der Charaktere aufgrund seiner oder ihrer Handlungen an den Pranger gestellt, es entsteht durch die Interaktion der Personen lediglich ein Soziogramm, dass es sich aber nicht erlaubt, eine moralische Bewertung darzustellen.
Somit ist diese Produktion für Jugendliche ein Plädoyer für den Individualismus, mit dem Hinweis darauf, dass persönliche Freiheiten einzelner Personen im Leben bisweilen aufeinander prallen und Veränderungen der Persönlichkeit hervorrufen. Nicht nur die Fans bestimmter Rockbands, sondern all jene, die an einen „Sommer des Lebens“ glauben, werden aus „Busfahrt mit Kuhn“ ihre ganz eigenen Essenzen ziehen. Daher ist trotz herbstlichem Wetter und klirrend kalten Temperaturen dieses Sommerabenteuer von Rike und ihren Freunden unsere „CD des Monats November 2008“.
Tipp: Zum Reinhören in die szenische Lesung finden Sie die erste Minute des Tracks Nr. 2 der ersten CD („Das war ja nichts, Rike.“) als Hörprobe unter http://www.oetinger-audio.de/nc/schnellsuche/titelsuche/details/titel/3-8373-0380-2/11232/10437/Autor/Tamara/Bach/Busfahrt_mit_Kuhn_(3_CD).html.
Bibliographische Angaben
Verlag: Oetinger Media GmbH (http://www.oetinger-audio.de/), Hamburg
Autorin: Tamara Bach
Erscheinungsdatum: Februar 2008
Empfohlenes Alter: Für Jugendliche und Erwachsene
3 Audio-CDs:
Tamara Bach: „Busfahrt mit Kuhn“, ca. 168 Minuten, 19 Tracks, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-8373-0427-5.
Für Jugendliche und Erwachsene
Sprecher/innen: Lisa Natalie Arnold (als Marlene)
Patrick Bach (als Noah)
Tamara Bach (als Rike)
Sebastian Blomberg (als Irgendeiner)
Sven Fricke (als Sabbe)
Andreas Fröhlich (als Ben)
Joseline Gassen (als Tante Hilde)
Frank Gustavus (als Maddihn und Henk)
Gerhart Hinze (als Autofahrer)
Stephanie Kirchberger (als Sissi)
Oliver Korittke (als Kurti)
Leonhard Mahlich (als Lex)
Robert Missler (als Synapsen)
David Nathan (als Joe)
Renate Pichler-Grimm (als Oma Tilly)
Christian Stark (als Bert)
Rainer Strecker (als Lehrer Köhler)
Nellie Thalbach (als Nina)
Marion von Stengel (als Nancy)
Douglas Welbat (als Lex’ Onkel)
Aufnahmen: CSC Studio, Hamburg, Ecopark Studio, Hamburg, Konterfei Studio, Berlin, studio_wort, Berlin
Texteinrichtung und Regie:Frank Gustavus
Produktion: Eduardo García
Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:
http://www.ifak-kindermedien.de
