
CD des Monats April 2009
Ulrich Hub: Nathans Kinder; Hörspiel frei nach Lessings Nathan der Weise
Einführung
Eigentlich ist es eine Liebesgeschichte, die sich in Jerusalem abspielt zur Zeit der Kreuzzüge. Eine Liebesgeschichte zwischen Recha, Tochter eines jüdischen Kaufmanns, und Kurt, dem Kreuzritter, der ausgezogen ist, den christlichen Glauben auch mit dem Schwert zu verbreiten. Doch die Konventionen und die Konflikte zwischen den Religionen in Jerusalem stehen zunächst zwischen den beiden. Eine Freundschaft zwischen einer Jüdin und einem Christen ist nicht möglich. Und jeder redet mit, denn er ist überzeugt, dass seine Religion die wahre ist: der Sultan Saladin, der Bischof und Nathan, der Jude und Vater von Recha.
Jede der abrahamitischen Religionen erhebt auch Anspruch auf Jerusalem und will die anderen bekämpfen. Wie in keiner anderen Stadt begegnen sich hier Muslime, Christen und Juden auf engstem Raum und streiten darüber, wessen Gott der wahre Gott ist und wem die Stadt gehört. Bei dieser Auseinandersetzung scheint jedes Mittel recht und die Vorurteile zwischen den Anhängern der Religionen sitzen tief. Als die Fehde zwischen den Religionsvertretern eskalisiert, bittet Recha Nathan die Ringparabel zu erzählen, um zwischen den zwischen den Parteien Frieden zu stiften. Der Streit wird erst durch die Parabel der drei Ringe – jeder Ring steht für eine der monotheistischen Weltreligionen – gelöst. Es gibt keine „beste“ Religion, nur eine, die man für die beste hält.
Das Hörspiel von Ulrich Hub erzählt die Ringparabel von Gotthold Ephraim Lessing neu, die er in seinem Schauspiel „Nathan der Weise“ verarbeitet hat. „Nathan der Weise“ entstand bereits vor über 220 Jahren und gehört zu den wichtigsten deutschen Theaterstücken. Die Geschichte des Mannes mit dem Ring, der die Wahrheit erkennen lässt, geht auf eine noch ältere über tausend Jahre alte Geschichte zurück, die von Muslimen erzählt wurde und ist nach wie vor aktuell.
Inhalt
(002)
Vater Nathan kommt von einer beruflichen Reise nach Hause, sieht Tochter Recha auf der Straße und schimpft mit ihr, dass sie abends noch draußen ist; er erfährt, dass das Haus abgebrannt ist: Recha erzählt von einem Engel, der sie aus dem brennenden Haus gerettet hat: ihr Schutzengel. Nathan bezweifelt, dass dies ein Engel war: Es gibt keine Engel… Nathan vermutet einen Menschen, einen Kreuzritter.
(003)
Nathan versucht sich bei dem Kreuzritter für die Rettung seiner Tochter zu bedanken und will sich erkenntlich zeigen. Der Kreuzritter ist überrascht, dass er eine Jüdin gerettet hat, die „gar nicht so aussah“ und wehrt Nathan ab, weil er mit Juden nichts zu haben will. „Es ist Pflicht von Kreuzrittern ihr Leben aufs Spiel zu setzen, selbst Juden werden gerettet“. Nathan entgegnet: „Niemand hat sich seinen Glauben ausgesucht: Menschen sind wir, da ist es egal, ob jemand Muslim, Jude oder Christ ist.“ Nathan will den Kreuzritter einladen, aber der verwickelt ihn in einen Streit und bewirft ihn mit Datteln.
In einem Selbstgespräch des Kreuzritters bedauert er, dass das Mädchen eine Jüdin ist, weil er schon gerne zu ihr Kontakt gehabt hätte. „Aber zu einem Juden geh ich nicht!“
Der Vater kommt zu Recha zurück, die wissen will, was beide miteinander gesprochen haben und ob die beiden über sie gesprochen haben. Schließlich erfährt sie, dass ein Kreuzritter und kein „Engel“ sie gerettet hat.
(004)
Der Sultan kommt zu Nathan zu Besuch. Recha kritisiert den Sultan und fragt ihn herausfordernd: „Warum schlagt ihr allen Kreuzrittern den Kopf ab, ehrwürdiger Sultan?“ „Nicht allen…“, antwortet der Sultan, „erst heute habe ich einem Kreuzritter den Kopf geschenkt… er hatte so traurige Augen." „Aber haben nicht alle zum Tod Verurteilten traurige Augen?“, meint Recha.
Der Sultan bittet Nathan ihm Geld zu leihen, um seine kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Christen fortsetzen zu können. Nathan wehrt sich: „Waren kann ich dir schon borgen, aber mit meinem Geld will ich nicht euren Krieg unterstützen“. Der Sultan versucht zu begründen, warum er die Christen hasst: „Hab ich sie eingeladen hierher zu kommen? Sie sind gekommen um mit dem Schwert ihren Glauben zu verbreiten, selbst mein Bruder ist gefallen. Solange noch ein Christ durch die Gassen von Jerusalem läuft, wird kein Frieden herrschen, außerdem waren wir zuerst hier“.
(005)
Der Bischof redet mit dem Kreuzritter, während Nathan und der Sultan das Gespräch unerkannt lauschen und mithören. Der Kreuzritter berichtet dem Bischof, dass der Sultan ihm das Leben geschenkt hat: „Er schaute mich an und hatte Tränen in den Augen“, und dass er ein Mädchen, eine Jüdin aus einem brennenden Haus gerettet hat. Der Bischof ist bestürzt: „Du hast ein Judenmädchen gerettet?? Wenn wieder so was vor kommt, wirst du dich erst erkundigen… Wenn es sich um ein Judenmädchen handelt, wirst du es brennen lassen.“ Der Bischof lässt durchblicken, dass er einen Anschlag auf den Sultan plant („zum Wohl der Christenheit“), der Kreuzritter soll den Sultan umbringen. Aber der Kreuzritter ist entsetzt: „Ich soll den umbringen, der mir mein Leben gerettet hat, ein Meuchelmord?“ „Du kennst den Sultan nicht, wie ich ihn kenne,“ entgegnet der Bischof: „Der Sultan glaubt - nur sein Gott ist der richtige Gott, er wird nicht Frieden geben, bis alle Menschen seinem Gott huldigen.“
Der Sultan sieht sich in seinem Streit mit dem Bischof bestätigt und überlegt nun seinerseits den Bischof umbringen zu lassen. Nathan ist unschlüssig, aber schließlich erklärt sich bereit, den Sultan zu unterstützen.
(006)
Recha und Kurt kommen miteinander ins Gespräch – und sie kommen sich dabei näher. Zunächst hat vor allem Kurt, der Kreuzritter Vorurteile gegenüber den Juden. Aber Recha vermittelt klug und selbstbewusst: „Schimpfe auf die Juden so viel du willst, im Herzen bist du ein guter Mensch….sonst hättest Du nicht dein Leben aufs Spiel gesetzt. Niemand hat sich seinen Glauben ausgesucht: Vor allem sind wir Menschen.“
Kurt kommt ins Grübeln darüber, warum er eigentlich bei diesem Krieg im Heiligen Land mit dabei ist. „Wie oft habe ich das Kommando schon gehört… Helm ab zum Gebet, zum Kampf, zur Schlacht, zum Essen, doch dieses mal zum Sterben“ . Kurt ist kriegsmüde, er zweifelt, ob es richtig ist für seinen Glauben zu kämpfen: „Was ist das eigentlich für ein Gott, der für sich kämpfen lassen muss“.
Recha versucht Kurt aufzurichten: „Vielleicht hat Gott auf Jerusalem herabgeblickt und sich gesagt: Dort drüben brennt ein Haus, wenn dieser Kreuzritter jetzt einen Kopf kürzer wird, habe ich niemand mehr, der das arme Mädchen aus den Flammen holen kann.“ Doch Kurt kann sich darauf nicht einlassen: „Gott schaut schon lange nicht mehr auf Jerusalem, wenn ich Gott wäre, würde ich mir friedlichere Städte anschauen. Warum beendet er nicht den Mord- und Totschlag?“
Recha: „Vielleicht glaubt er, dass wir irgendwann von selbst darauf kommen.“
Kurt: „Darauf kann er lange warten.“
Recha: „ Vielleicht hat er einfach mehr Zeit als wir?“
Kurt: „Von welchem Gott reden wir eigentlich, von deinem oder von meinem?“
Recha: „ Gehört Gott irgendjemandem?“
(007)
Der Kreuzritter sucht das Gespräch mit Nathan und will sich mit ihm versöhnen: „Natürlich habt ihr recht. Niemand hat sich seinen Glauben ausgesucht: Juden, Christen, Muslime: Sind wir nicht zuerst alle Menschen? Lasst mich beweisen, wie ernst mir es mit meiner Versöhnung ist“.
Aber Nathan reagiert misstrauisch wie ein Vater, der befürchtet, dass er seine Tochter an Kurt verlieren wird. Recha hat einen Teil des Streits mit angehört. Kurt beschwert sich, dass Nathan die Versöhnung nicht erwidert, weil er sich wie ein typischer Jude sei. Aber Recha beruhigt ihn: Nathan habe sich nicht wie ein typischer Jude verhalten, sondern wie ein typischer Vater. Was bei Kurt in Erinnerung an seine eigene Geschichte eine Hasstirade auf Väter auslöst.
Recha erzählt, dass Nathan nicht ihr Vater ist, sondern sie als Christin geboren wurde. Aber niemand darf das wissen.
Nathan sucht seine Tochter und entdeckt, dass sie wieder mit Kurt zusammen ist. Das macht ihn wütend, in seiner Angst um seine Tochter beschimpft er Kurt: „Ich kenne euch Ihr Christen: Euer Stolz ist Christen sein, nicht Menschen. Ihr gebt nicht Ruhe, bis ihr den Namen Eures Gottes überall verbreitet habt. Alle, die nicht zu euerm Gotte beten, werden ausgelöscht, verschlungen, verbrannt. Was sucht ihr überhaupt in dem gelobten Land. Niemand hat euch eingeladen ihr stolzen Christen.“
„Aber welches Volk, Nathan hat sich denn zuerst das auserwählte Volk genannt?“ Der Streit um die wahre Religion eskaliert zwischen Nathan und Kurt, bis Recha sich gegen ihren Vater auflehnt.
(008)
Kurt sucht Rat beim Bischof. Der Bischof will ihm einreden, dass es für ihn eine Ehre sei, wenn er den Feind des Bischofs, den Sultan beseitigt. Doch Kurt beschäftigt eine ganz andere Frage, nämlich die Folge für Juden, die mit Christen zusammen sind. Des Bischofs Antwort: „Der Jude wird verbrannt“.
(009)
Recha und ihr Vater sind im Gespräch. Nathan spürt, dass Recha unsicher geworden ist und ihren eigenen Weg suchen will, um glücklich leben zu können. Da erzählt Nathan seine Geschichte, die Geschichte seiner Frau und seiner sieben Kinder. Sie lebten im Norden von Gaza… Kreuzritter kamen ins Dorf, sie trugen lange weiße Mäntel mit einem roten Kreuz. Sie haben alle Juden erschlagen. Nathans Frau und die sieben Kinder konnten in das Haus seines Bruders flüchten. Die Kreuzritter aber haben das Haus angezündet und alle sind umgekommen….
Nathan erzählt von seinem tagelangen Hass auf die gesamte Christenheit und besonders auf Gott: „Wie kannst Du so etwas zulassen?“ Da kommt ein Soldat auf ihn zu und überreicht ihm ein kleines Kind, in eine Decke gehüllt, ein Christenkind. Der Mann war auf der Flucht… kurz danach kam er um. Das ist die Geschichte von Recha.
(010)
Kurt kommt zum Sultan. Von ihm will er wissen, ob man einen Juden, wie der Bischof es verlangt, verbrennen darf. Einen Juden, der seine Tochter als Jüdin ausgegeben hat, obwohl sie als Christin geboren ist.
Der Sultan verneint. Er nimmt Kurts Frage zum Anlass ihn gegen den Bischof, seinen Feind, aufzubringen und verspricht ihm, dass er „ins Paradies kommt“, wenn er zusammen mit ein paar „gottesfürchtigen Männern“ den Bischof aus dem Weg räumt. Aber Kurt bleibt dabei: „Ich will mein Schwert nie mehr benutzen.“
Der Sultan lädt Kurt zum Schachspiel ein und – verliert. Die Niederlage erinnert den Sultan daran, dass er auch gegenüber Nathan im Nachteil ist und es ihn ärgert, dass er einen Juden um Almosen betteln muss, weil er das Geld braucht. Dass er mit ihm eine „Freundschaft heucheln“ muss: „Wann hätte ich das gekonnt, wo hätte ich das gelernt?“
Schließlich kommt er darauf, dass Nathan derjenige sein könnte, der ein „Christenkind“ aufgezogen hat… und er findet Gefallen daran, dass Nathan verbrannt werden könnte. Dann wäre er seine Schulden los. Er kommt auf die Idee sich dazu mit dem Bischof zu verbünden.
(011)
Inzwischen findet sich Nathan damit ab, dass sich Kurt und Recha befreundet haben und gibt seinen Segen dazu. Kurt trifft Recha und Nathan. Dabei muss er den beiden gestehen, dass er aus Versehen das Geheimnis verraten hat, dass Recha nicht Nathans Tochter und keine Jüdin ist.
Sultan und der Bischof wollen die Sache aufklären und stellen Nathan zur Rede. Recha soll ins Kloster und im einzig wahren Glauben erzogen werden: „Was ist der einzig wahre Glaube?“, fragt Recha. „Wem soll ich nun glauben?“ Dem Christen, dem Moslem, dem Juden? Zu welchem Gott soll ich ihn Zukunft beten? Es kann doch nur einen wahren Glauben geben oder? Und wer von Euch mir diesen einzig wahren Glauben nennen kann, der soll mein Vater sein!
Recha verlangt von allen dreien Gründe zu nennen für den wahren Glauben. Sie fordert Nathan auf, die Geschichte von den Ringen zu erzählen.
(012)
Nathan erzählt die Geschichte vom Ring der einen unschätzbaren Wert besaß. Dieser Ring hatte die geheimnisvolle Kraft vor Gott und Menschen angenehm zu machen. Wenn man in dieser Zuversicht ihn trug……….
…. Nach Nathans Erzählung geraten alle drei in Streit um die Vorzüge der richtigen Religion.
„Die drei Religionen sind wohl zu unterscheiden:
Schau uns nur an: Kleidung , Speise, Trank, die Unterschiede springen deutlich ins Auge.
Am deutlichsten in unseren Schriften:
Doch die Wahrheit über Gott steht nur in meiner Schrift
Meine Schrift ist die Krönung aller Schriften
Aber meine Schrift ist von allen die älteste
Schon aus diesem Grund ist sie lange überholt
Ihr habt nur alles von uns abgeschrieben
Wir haben es verbessert
Mein Buch ist das allerneuste Buch“
Der Streit eskaliert, bis Kurt, der Kreuzritter, lautstark in die Auseinandersetzung eingreift und den Streithähnen vorwirft: „Jeder will dem andern an den Kragen…. Und das alles im Namen irgendeines Gottes…Was seid ihr nur für Heuchler und Betrüger….! Hört auf euch zu schlagen, gebt endlich Frieden……..
Da es spät in der Nacht ist und der Morgen graut, schlägt Kurt vor, den Streit am Morgen fortzusetzen und Recha ergänzt: „Wollen wir uns nicht gemeinsam an einen Tisch setzen und zusammen frühstücken?“
(013)
Beim gemeinsamen Frühstück interpretieren alle die Nathans Erzählung weiter.
„Reden wir eigentlich vom rechten Ring oder vom rechten Glauben?“
Der Sultan erinnert sich an seinen Bruder und vermutet, dass Kurt, der viel Ähnlichkeit mit seinem Bruder Assad hat, dessen Sohn sein könnte… und auch der Bischof versteigt sich zu einer etwas ungewöhnlichen Vermutung, was die Herkunft Rechas anbelangt….
Trackliste
001 Ansage
002 Nathan und Recha: Nach der Rettung aus dem brennenden Haus durch durch den „Engel“ 3‘44
003 Nathan versucht sich bei dem Kreuzritter zu bedanken 4‘00
004 Der Sultan bittet Nathan um Unterstützung für seinen Krieg gegen die Christen 2‘32
005 Der Bischof versucht Kurt zu überreden, einen Anschlag auf den Sultan zu verüben 3’00
006 Recha und Kurt kommen kommen sich näher 7’20
007 Der Vater Nathan kämpft um seine Tochter, er hat Angst sie zu verlieren 5‘06
008 Kurt sucht Rat beim Bischof 2‘49
009 Nathan erzählt Recha von seiner Familie und wie Recha zu ihm gekommen ist 4‘28
010 Der Sultan kommt auf eine Idee, wie er beide, den Bischof und Nathan, los werden kann 4‘58
011 Der Sultan und der Bischof stellen Nathan zur Rede 3‘18
012 Die Geschichte vom Ring und der Streit um den wahren Glauben 6‘21
013 Alle an einem Tisch – nur wie lange? 3‘41
014 Absage
Zur Produktion
Die Geschichte basiert vor allem auf den Dialogen und inneren Monologen der handelnden Personen. Deshalb ist die Unterscheidung der Stimmen und Sprechweisen besonders wichtig. Die Handlung braucht keinen Erzähler, der durch die Handlung führt.
Geräusche und Musik von Sabine Wortmann strukturieren die einzelnen Szenen, sie verbinden die Handlung und die unterschiedlichen „Spielorte“. Sie geben Hinweise durch den sparsamen Einsatz von christlichen, jüdischen und muslimischen musikalischen Motiven. Die Musik ist aber keine reine Abbildungen der Religionen, wie sie heute noch zu hören wären: der Klang führt auf eine dezente Art zu einer symbolischen Ebene. Die Geräusche unterstützen die Dramaturgie(zB durch ein Aufgreifen der Gefühle oder durch Änderung des Tempos) und führen sie weiter (zB durch Morgen- oder Abendgeräusche). Dabei gehen sie auch auf die Stimmung in der Handlung ein. So sind die drei Ebenen gut voneinander zu unterscheiden: Sprache, Musik, Geräusche. Die klare Gliederung verhilft zum Verständnis.
Ideen zur Umsetzung
Vor dem Einsatz sollte genau geprüft werden, welche Vorinformationen bei den Hörerinnen und Hörern vorhanden sein sollten und welche noch gegeben werden müssten, damit das Verständnis erleichtert wird.
Im Rahmen eines Unterrichts in- und außerhalb der Schule bietet das Hörspiel vor allem auf drei Ebenen Möglichkeiten der Umsetzung, die je nach Alter und Kompetenz der Schüler variiert und vertieft werden können:
a) geschichtliche Ebene
b) inhaltlich-religiöse-psychologische Ebene
c) dramaturgische Ebene
a) geschichtliche Ebene
Hier gibt es verschiedene Recherchemöglichkeiten:
- Was waren die Kreuzzüge und die Kreuzritter?
- Die politische-religiöse Situation der damaligen Zeit
- Die Geschichte der Stadt Jerusalem
- Religion und Gewalt: Eine Zusammenhang, den es schon immer gab. Wo ist er heute zu finden?
- Muselmane, Muselmänner, Muslime, Moslems: Wie kommt es zu den unterschiedlichen Begriffen für die Gläubigen des Islam? Gibt es noch weitere? Welche spielen heute eine Rolle? In welcher Perspektive werden welche Begriffe verwendet? Und wie sollte es heute korrekt heißen?
b) inhaltlich-religiöse-psychologische Ebene
In der Geschichte werden viele Fragen der handelnden Personen gestellt (in der Beschreibung des Inhalts sind sie kursiv angedeutet). Das sollten auch Fragen sein, die in der Weiterarbeit eine Rolle spielen, zum Beispiel:
- Niemand hat sich seinen Glauben ausgesucht. Es ist egal, ob jemand Jude, Christ oder Muslim ist.
- Was ist der richtige Gott?
- Eine andere Religion zu bekämpfen – zum Wohl der Christenheit oder um ins Paradies zu kommen?
- Gehört Gott jemandem?
- Soll man einen Menschen retten, wenn er eine andere Religion hat?
Thema Vorurteile:
- Welche Vorurteile haben die Vertreter der einzelnen Religionen von den jeweiligen anderen? Wie tauchen sie in den Aussagen der Geschichte auf? Was sagt der Jude über die Christen und Muslime, der Christ über Juden und Muslime, der Muslim über Christen und Juden?
- Wo gibt es heute Vorurteile zwischen den Religionen? Wie sehen diese aus und wie wirken sie sich aus? Beschreibt sie konkret und aus Eurer Umgebung.
- Welche religiösen Traditionen sind für junge Generationen heute (überhaupt) wichtig? - Welche religiösen Traditionen habt Ihr und Eure Mitschüler?
- Wie gewinnt man überhaupt eine eigene religiöse Meinung? Eine Meinung zu Gott? Was macht Euern Glauben aus und wie stehen Eltern und Lehrer dazu?
Thema Ringparabel:
- Wie unterscheidet sich die Geschichte Nathans Kinder von der Ringparabel von Lessing?
- Was ist der wahre Glaube und wie wird er sichtbar?
Thema Schriften der Religionen:
- Der Unterschied wird auch in den Schriften der Religionen deutlich. Welche Aussage kommt von welchem Vertreter? (siehe Track 012)
Zum Inhalt der Geschichte
- Die Geschichte von Recha : Wie stellt sie sich dar und zwar aus den verschiedene Perspektiven?
- Im Schluss der Geschichte deutet sich an, dass Recha und Kurt auch Geschwister sein könnten: Welchen anderen Schluss könntet Ihr Euch vorstellen?
Schreibt eine neue Fassung des Schlusses, diskutiert die verschiedenen Ergebnisse miteinander und spielt sie nach.
- In welchen Szenen vertritt Nathan eher die Ansichten seiner Religion und wann verhält er sich wie ein typischer Vater?
- Was für ein Mädchen ist Recha? Versucht sie zu beschreiben.
- Versucht ein Rollenspiel: Verteilt die Rollen auf 5 Personen. Alle verständigen sich auf eine Szene, die nachgespielt werden soll (zB auf die Streitszene, in der jeder die Vorzüge seiner Religion beschreibt). Vorbereitet sind auf fünf Zetteln je ein Name, jeder zieht eine Namen, dessen Rolle er dann spielt. Für die Zuhörer kann man in einer zweiten schwereren Fassung nicht nur die Rollen vorgeben, sondern auch die Art und Weise, wie argumentiert werden soll (zB könnte der Sultan einige jüdische Gedanken einbringen, der Christ muslimische, der Jude christliche usw.): ein doppelter Rollentausch, die Zuhörer und Zuschauer sind aufgefordert, die Unterschiede zu erkennen.
c) dramaturgische Ebene
- Welche Gefühle lassen sich aus den Stimmen heraushören?
- Versucht eine Charakterologie anhand der Stimmen und Sprechweise zu entwerfen, für jede Rolle mindestens 6 unterschiedliche Gefühle und Charakterzüge
zB:
Der Bischof ist: aufbrausend, listig …..
Nathan ist: Ärgerlich, liebevoll ….
Der Sultan ist: Traurig…
Recha:
Kurt:
- Musik: Wie klingen die musikalischen Symbole der drei Religionen? Versucht sie nachzumachen und zu spielen.
Fazit
Das Hörspiel eignet sich vor allem für den Deutsch-, Ethik-, Religions- und Sozialkundeunterricht. Es bietet vor allem auch in kulturell vielfältigen Gruppen beste Anlässe sich über das Thema Religion zu verständigen und nach der eigenen religiösen Identität im Umgang mit anderen zu fragen. Es eignet sich ab Klasse 5 und 6 und bietet auch für ältere Jugendliche und Erwachsene viele Möglichkeiten der Vertiefung und Diskussion. Themen wie Vorurteile zwischen den Religionen, Toleranz, Umgang mit ungewohnten Verhaltensweisen sowie aktuelle Bezüge sind leicht herzustellen. Etwas verwirren könnte der Schluss der Geschichte, aber die hypothetischen Erklärungsversuche zur Herkunft der beiden jungen Leute könnte gleichzeitig auch ein guter Diskussionsanstoß sein.
Bibliografische Angaben
Regie: Andrea Getto
Komposition (Musik): Sabine Wortmann
Nathan: Hans-Michael Rehberg
Recha, Nathans Tochter: Judith Engel
Kurt, der Kreuzritter: Samuel Weiss
Sultan: Peter Fricke
Bischof: Wolf-Dietrich Sprenger
Produktion: Hessischer Rundfunk in Kooperation mit dem Norddeutscher Rundfunk und dem Westdeutschen Rundfunk 2008
Länge 52‘18
Ton und Technik: Helmut Schick und Ursula Potyra
Dramaturgie: Ursula Ruppel
Ulrich Hub ist 1963 in Tübingen geboren. Er ist Schauspieler, Regisseur und Autor von Drehbüchern, Theaterstücken und Hörspielen, er lebt in Berlin. Ulrich Hub hat u.a. das Hörspiel „An der Arche um acht“ geschrieben. (s. Auswahl in der HörSpielBox der Stiftung Zuhören für Klasse 3 und 4). Er erhielt verschiedene Preise, u.a. den deutschen Kinderhörspielpreis 2006.
Die CD ist erschienen bei Patmos audio: ISBN 978-3-491-24176-3, € 12,95
Illustrationen von Jörg Mühle.
Tipp:
(1) Ausschnitte aus dem Hörspiel sind auf der website des Kinderprogramms von hr2-kultur zu finden: www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp
(2) Eine Rezension der Kinder Elisa (10) und Jenny (9) zum Hörspiel „Nathans Kinder“ sind im Kinderprogramm von hr2-kultur zu finden: www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp
Beide Dokumente sind auch über www.hr2-kultur.de zu finden, dort als Suchbegriff Nathans Kinder eingeben.
(3) Zum gleichen Thema, auch als Bearbeitung des Stoffes von Lessing, ist im Februar 2009 ein Buch erschienen: „Nathan und seine Kinder“ von Mirjam Pressler im Beltz-Verlag. (vom Verlag empfohlen ab 14 Jahren)
(Volker Bernius, Stiftung Zuhören)
© Stiftung Zuhören 2009
Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:http://www.ifak-kindermedien.de/
