
CD des Monats Dezember 2009
Margit Sarholz / Werner Meier: Wer hat die Kokosnuss geklaut?
Einführung
Im Winter eine CD auszuzeichnen, die sich mit einer großen Palme auf dem Cover präsentiert und von Kokosnüssen spricht, geht das denn? Natürlich geht das!
Diese flotte „Ganzjahres-CD“ sorgt für gute Laune und Tanzwut, wann immer sie ihren Weg in den CD-Player findet. Margit Sarholz und Werner Meier, Inhaber des Verlags Sternschnuppe, präsentieren in 46 Minuten eine gelungene Mischung bekannter Kinderlieder in neuen musikalischen Gewändern und kleiner Hörspielepisoden voller Kinderquatsch. Dazu klanglich hervorragend abgemischt, hält diese Produktion, was sie bereits auf den ersten Blick verspricht: lachen und Spaß haben!
Inhalt
„Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ hat 25 Titel, die sich in zwölf Songs und 13 Minihörspiele, die meist nicht länger als eine Minute dauern, aufteilen. Immer im Wechsel gibt es hier spaßige Neuigkeiten vom „Radio Kinderzimmer“ und vielfach gesungene Kinderlieder wie „Von den blauen Bergen kommen wir“ oder „Meine Tante aus Marokko“ auf die Ohren. Außerdem werden neben dem Titellied z.B. „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, „Die alten Rittersleut“ und „Meine Biber haben Fieber“ musikalisch erfrischend modern inszeniert (mehr dazu unter dem Punkt „Zur Produktion“). Mit dabei ist auch „Das rote Pferd“, das 2007 in der Version von Martin Becker Dutzende Ballermanntouristen und Skihüttenurlauber zum Tanzen gebracht hat. Tanz- und Mitsingpotenzial hat auf jeden Fall auch diese Sternschnuppe-Produktion.
Zwischen den swingenden Liedern ulken die Mädchen Magdalena Lechner, Mara Mehnert, Maria, Anna sowie Theresa Streitel und die Jungen Marvin Mehnert und Fabian Parteli auf der CD herum. Sie „arbeiten“ für das „Radio Kinderzimmer vom Bestdeutschen Ulkfunk“ und moderieren dort ihre Sendung „Hits mit Witz“. Auch Sternschnuppe-Chef Werner Meier hat in diesen Radioeinspielungen eine Gastrolle: er ist der Tierexperte Dr. Prof. Dr. Reinhard Witz.
Diese kleinen Hörspielstücke, die mal 20 Sekunden, mal über eine Minute lang sind, orientieren sich inhaltlich am Thema des jeweils darauf folgenden Kinderliedes. So liefert z.B. der Reporter Marvin Spürnase einen spannenden Live-Bericht aus dem afrikanischen Dschungel, bevor das Titellied ertönt. Vor „Old Mac Donald had a farm” beantwortet Studiogast Dr. Prof. Dr. Witz die Zuhörerfrage „Muss ich mit einem Teddybären, den mir mein Vater aus England mitbringt, englisch reden?“ und dem Lied „Ein Pferd, das hat vier Beiner“ geht ein Einspieler voraus, in dem Dr. Reinhard Witz alias Werner Meier Frau Reiter aus Hoppe erklärt, dass Pferde ihren Namen deshalb tragen, weil sie mit ihren vier Beinen auf der Erde stehen. Andernfalls hieße ein Pferd ja Pfluft, oder süddeutsch: Pfluftl! Außerdem erfährt der aufmerksame Zuhörer vom „Stau auf der DIN A 4“ und reist mit den Mittelalterreportern Kunibert und Tusnelda „Rückwärts zu den Rittern“.
In dieser Manier wechseln sich auf der CD die Kinderlieder mit den thematisch dazu passenden Quatschbeiträgen des Radios Kinderzimmer ab.
Trackliste
- 01 Willkommen bei Radio Kinderzimmer (00:44)
- 02 Wer hat die Kokosnuss geklaut? (03:23)
- 03 Roter Teppich für die Tante (01:15)
- 04 Meine Tante aus Marokko (03:37)
- 05 Das Liederrätselknackerteam (00:56)
- 06 Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad (03:30)
- 07 Ernste Frage an Dr. Witz (00:44)
- 08 Old Mac Donald had a farm (02:48)
- 09 Frau Reiter aus Hoppe (00:56)
- 10 Ein Pferd, das hat vier Beiner (02:52)
- 11 Ups! Pups! (00:27)
- 12 Mama, komm mal runter (01:33)
- 13 Armer Tausendfüßler! (00:31)
- 14 Meine Biber haben Fieber (01:50)
- 15 Stau auf der DIN A 4 (00:35)
- 16 Zehn kleine Gartenzwerge (03:56)
- 17 Ffffliege … (00:22)
- 18 Das rote Pferd (01:48)
- 19 Frau Braun aus Grünbach (00:34)
- 20 Von den blauen Bergen kommen wir (04:07)
- 21 Rückwärts zu den Rittern (01:36)
- 22 Die alten Rittersleut (04:39)
- 23 Am Ende …(00:18)
- 24 Zwei Knaben gingen durch das Korn (02:39)
- 25 Servus & Ciao (00:38)
Zur Produktion
Das musikalische Arrangement ist bei dieser CD sehr vielfältig. Im Gegensatz zu anderen Kinderliederproduktionen, bei denen nach bewährtem Muster singende Kinder von einem Instrument – zumeist Klavier, Akkordeon, Flöte oder Akustikgitarre – begleitet werden, finden wir hier gleich mehrere Gitarren, eine Mandoline, diverse Schlag- und Rhythmuswerke, eine Trompete, ein Saxophon, ein Flügelhorn, eine Violine, eine Klarinette und nicht zuletzt auch ein Akkordeon. Alle diese Instrumente sind notwendig, um die erwähnten klassischen Kinderlieder poppig und modern an das an Unterhaltungsmusik gewöhnte Ohr zu transportieren. Gespielt werden die Lieder zwar auf unterschiedliche traditionelle Arten: amerikanisch, schottisch oder auch mal im Stile von Karl Valentin.
Gerade weil sich diese Spielweisen aber an internationalen musikalischen Wurzeln orientieren, die auch der Ursprung heutiger im Radio gängiger Musikstile sind, klingen die Kinderlieder so erfrischend neu. „Meine Tante aus Marokko“ swingt lässig im Bigband-Stil, verspielten Jazz mit sehnsuchtsvollen Saxophon- und Klarinettenklängen hört man bei „Ein Pferd, das hat vier Beiner“. Johnny Cash hätte sich bestimmt über die Version von „Von den blauen Bergen kommen wir“ gefreut, und „Die alten Rittersleut“ erinnert stark an Reggae. Mit „Zehn kleine Gartenzwerge“ gibt es auf der CD auch einen Mitmach-Zählreim in Liedform. Mit so einem Zählreim konnten schon „Die Toten Hosen“ weltweit Erfolge feiern. Ganze Kamerafahrten, auf die Fernsehschaffende neidisch wären, entstehen im Kopf bei „Old Mac Donald had a farm“: die Musik begleitet uns hinaus zu einer Landpartie über saftige grüne Wiesen und blühende Felder. Währenddessen gibt uns „Das rote Pferd“ Einblicke in das turbulente Geschehen in einem Westernsaloon. Zahlreiche Geräusche wie z.B. die Dschungelhörkulisse bei „Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ runden das Hörvergnügen ab. So fällt einem überhaupt erst nach mehrmaligem Anhören auf, dass sich einige der Kinderlieder in ihrer klassischen Form eigentlich melodisch und rhythmisch sehr stark ähneln. Bei der Sternschnuppe-CD ist dies nicht der Fall. Und auch klanglich ist hier alles sauber und fehlerfrei produziert.
Das Werk besteht aus schwungvoll-fröhlichen, leicht durch die eigene Körperakustik (Klatschen, Stampfen, Trommeln etc.) zu begleitenden Liedern, Melancholisches in Moll findet man kaum. Das Team verwendet manchmal die traditionellen Liedtexte, andere Songs warten aber auch mit einem überarbeiteten Wortschatz auf, in dem Begriffe wie Mail und SMS, Skateboard, Handy oder Laptop fallen (z.B. „Und dann kommt ’ne SMS, dass sie doch kommt, hurra …“ oder „Meine Oma wäscht auf 40 Grad ihr Handy …“).
Die Kinder machen als Radiosprecher/innen ihre Sache sehr gut. Sie sprechen deutlich und verbergen dennoch nicht die jeweiligen Charakteristika ihrer Stimmen. Sie führen lebendig, in typisch kindlicher Weise mit vor Aufregung schwankenden Tonhöhen und Sprechgeschwindigkeiten, durch das CD-Programm, und dass die jeweils gerade nicht am Mikro sitzenden Kinder im Hintergrund kichern und lachen, verleiht dem Gehörten die Authentizität einer echten Radioshow.
Die CD kommt in einem Digipak mit eingeklebtem Booklet. CD und Verpackung sind bunt und ansprechend gestaltet. Im nummerierten, 20 Seiten starken Beiheft findet man – in witzig gemalte Szenarien eingebettet – die Texte zu allen Liedern sowie eine kleine Angabe zum Musikstil. Außerdem gibt es auf der letzten Seite eine Danksagung an alle Beteiligten mit einem lustigen Gruppenfoto der Kinder.
Ideen zur Umsetzung
- Bewegung, Bewegung, Bewegung:
„Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ ist eine „Jeder macht mit!“-CD. Es gibt Lieder wie z.B. „Die alten Rittersleut“, bei denen ihr zum einen dem Rhythmus auf eure eigene Art folgen könnt: Dreht euch, wackelt hin und her, werft zu den Blasinstrumenten die Arme in die Luft oder unterstützt das Lied akustisch durch Stampfen, Klatschen und Klopfen! Zum anderen lohnt es sich, wie bei andern Liedern auch (z.B. besonders bei „Meine Tante aus Marokko“) genau auf den modernisierten Text zu achten. Hier könnt ihr choreografisch aktiv sein und euch wie die auftauchenden Lebewesen und Gegenstände bewegen.
Eure Bewegungsabläufe werden intensiviert, wenn ihr zum Tanzen Bänder, Seile oder Tücher benutzt. Man kann sie drehen, schwingen, ziehen; man kann mit ihnen auch mit den Tanzpartnern aus der Gruppe in Interaktion treten. Diese Gegenstände verbessern eure Koordination sowie euer Gefühl für den Takt, und sie verstärken den Ausdruck eurer Choreografie. - Instrumente und Geräusche raten:
Welche Instrumente kann man hören? Wofür könnten sie stehen? Womit assoziiert ihr sie und welche Bilder erzeugen sie in euren Köpfen? Welche Instrumente kennt ihr noch? Wie klingen diese, auch im Vergleich zu denen auf der CD?
Welche Geräusche hört man? Wo gibt es diese Töne und Laute üblicherweise? Auf welche Arten kann man selbst Geräusche erzeugen? - Selber machen ist nicht schwer:
Denkt euch aus, worüber im Radio dringend noch gesprochen werden sollte, z.B. über Freundschaften, Familie, Spielzeug oder Weihnachten! Versammelt euch dann in kleinen Moderatoren- und Reportergrüppchen und beginnt mit eurem eigenen Radio(quatsch)programm! Dazu benötigt ihr nur ein Mikrofon und ein Aufnahmegerät. Ihr werdet sehen: die spontanen Aufnahmen sind oft die besten. Mit ihnen könnt ihr dann eure Freunde und Klassenkameraden medial unterhalten.
Fazit
„Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ ist eine Produktion traditioneller Lieder, die aber eine Zielgruppe bedient, deren Hörgewohnheiten eher im Bereich der Populärmusik, wie sie im Radio gespielt wird, liegen. Gemeinsam mit den eingespielten Beiträgen wird quasi eine eigene dreiviertelstündige Radiosendung mit Musik daraus. Hier gibt es (vermutlich) keine gequälten Gesichtsausdrücke der Erwachsenen, wenn die CD auf der Urlaubsfahrt im Auto zum x-ten Mal läuft.
Und auch in Kinder- oder Klassenzimmern, in Bewegungsräumen und Turnhallen lässt sich die CD wunderbar dazu einsetzen, schon den Allerkleinsten Bewegungsfreude durch Tanz und Gesang zu vermitteln. Deshalb sagt der Verlag auf der Packung zu Recht: Nur selber singen ist lustiger!
Angaben zur Produktion
Lieder und Hörspiele
Verlag: Sternschnuppe Verlag GbR (http://www.sternschnuppe-kinderlieder.de/), Ottenhofen
Herausgeber: Margit Sarholz / Werner Meier
Erscheinungsdatum: September 2009
Empfohlenes Alter: Ab 3 Jahren
Umfang: 1 CD (ca. 46 Minuten)
Sänger/innen (Lieder); Sprecher/innen (Hörspiele):
Magdalena Lechner
Mara Mehnert
Marvin Mehnert
Fabian Parteli
Anna Streitel
Maria Streitel
Theresa Streitel
in weiteren Rollen:
Werner Meier
Margit Sarholz
und Baby Max
Musik:
Martina Eisenreich (Geige)
Mulo Francel (Saxophon, Klarinette)
Reinhard Greiner (Trompete, Flügelhorn)
Christof von Haniel (Keyboard, Akkordeon, Arrangement)
Wolfgang Lohmeier (Schlagzeug, Perkussion, Tarzanschrei)
Knud Mensing (Gitarren)
Robert Sautter (Gitarren, Mandoline)
Joe Warrlich (Bass)
Aufnahme: Martina Eisenreich, Wolfgang Lohmeier
Mischung: Martina Eisenreich, Wolfgang Lohmeier
Mastering: Guido Hieronymus
Illustrationen: Stefan Berchtold
Gestaltung: Andrea Kretzschmar
Produktion: Sternschnuppe Verlag, Ottenhofen 2009
Bibliographische Angaben
Audio-CD:
Margit Sarholz / Werner Meier: Wer hat die Kokosnuss geklaut? Lach- und Spaßlieder.
25 Tracks, 46 Min.
Sternschnuppe Verlag GbR, Ottenhofen 2009
ISBN: 978-3-932703-50-8
Preis: 13,95 Euro
(Rezension: Peter Marus, Institut für angewandte Kindermedienforschung)
Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:
http://www.ifak-kindermedien.de/
Darüber hinaus erscheint die „CD des Monats“ bei SCHAU HIN! (http://schau-hin.info/), Berlin. Die Initiative bietet Eltern eine Hilfestellung zum Umgang mit Medien für Kinder
