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    CD des Monats März 2009

    GRIPS Theater, Volker Ludwig & Birger Heymann: Max und Milli

    Einführung

    Es gibt sie glücklicherweise immer wieder: Die scheinbar zeitlosen Stücke für Kinder, die deren Gedanken- und Gefühlswelt auf unspektakuläre Art und Weise auf den Punkt bringen und dadurch zum Highlight werden. „Max und Milli“ ist sicher eine dieser Produktionen. 1978 wurde das Stück vom GRIPS-Theater uraufgeführt und es hat bis heute nichts an seiner Aktualität verloren, denn es geht um zentrale Themen der Kindheit: Abenteuer, Angst, Mut, Freundschaft, Vertrauen, Solidarität. Die nun wieder als Hörspiel mit Musik vorliegende Version ist nicht nur für Kinder ab vier Jahren ein Erlebnis, sondern auch ältere Kinder und Erwachsene finden viele Ankerpunkte, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen, da sie den alltäglichen Wahnsinn des Kindseins in unaufdringlicher Manier thematisiert. Auch wenn das Stück als Hörspiel das letzte Mal 2003 veröffentlicht wurde, ist es ein Glück, dass solche Produktionen immer wieder neu eingespielt und so dem aktuellen Zeitkontext angepasst werden.

    Inhalt

    Mama, Mama, ich kann nicht einschlafen!!!“, schreit Max aus dem Kinderzimmer. „Jetzt gib aber endlich Ruhe“, interveniert die Mutter. Ein Dialog, der millionenfach in Kinderzimmern formuliert wurde und immer noch wird, der nicht selten der Beginn einer argumentationsreichen Inszenierung kindlicher Wünsche und Befindlichkeiten darstellt. So auch bei Max, der mit seiner alleinerziehenden Mutter und seiner Schwester Milli lebt. Max hat Angst vor der Dunkelheit und Gespenstern. Sein Verhältnis zu Milli ist ein geschwisterlich gespaltenes. Er ärgert sich über sie und liebt sie. Es gibt immer wieder Gründe sich zu streiten, zum Beispiel wenn es darum geht, wer im Etagenbett oben oder unten schläft. Und wenn die Mutter an die Vernunft von Max appelliert, weil er das ältere Kind ist, versucht er seine Schwester zu übertölpeln, was aber nicht immer gelingt. Vielmehr gelingt es Milli, Max mit ihrem Faible für Gespenster und Monster Angst zu machen. Ängste, die Mutter zu verlieren oder dass Einbrecher kommen, werden beim Einschlafen zwischen den Kindern thematisiert, doch die Kuscheltiere geben Halt.
    Während Milli sich vor dem Fernsehgerät amüsiert, trifft Max auf einem Spielplatz Peter, der ihn mit seiner Pistole, die „alles totschießt“, ärgert. Doch Max ist von der Pistole so fasziniert, dass er diese mit Peter gegen sein Fahrrad tauscht. Die Pistole findet die Mutter genauso wenig amüsant wie das Fernsehschauen von Milli, und für den Tausch „Pistole gegen Fahrrad“ hat sie überhaupt kein Verständnis. Doch Max ist der Überzeugung, dass er mit seinem Fahrrad „machen kann, was er will“. Auf der anderen Seite unterstellt der Vater von Peter seinem Sohn, dass er das Fahrrad gestohlen hat. Er schlägt ihn deswegen und die Mutter von Max versucht die Situation zu entschärfen. Letztendlich nimmt Max das Fahrrad und die Pistole mit.
    Beim Einkaufen am nächsten Tag treffen Max und Milli Peter wieder, der Max vorwirft, die Pistole gestohlen zu haben. Auch Peter will einkaufen und sie beginnen mit Geld zu spielen, das dann in einen Gulli fällt. Peter hat Angst, dafür zu Hause wieder geschlagen zu werden. Max gibt Peter das Geld von seinem Einkaufsgeld. Mit dem restlichen Geld können Max und Milli dann aber nur einen Teil des Einkaufs erledigen. Die Mutter ist irritiert, dass die Kinder nicht alles eingekauft haben. Nach anfänglichem Schwindeln erzählen die Kinder die Geschichte. Die Mutter findet die Solidarität von Max mit Peter „ganz toll“. Doch als Milli die Sprache auf die Pistole bringt, kippt die Stimmung. Die Mutter unterstellt Max, dass er Peter das Geld für die Pistole gegeben hat. Sie will zu Peters Vater gehen.
    Die Kinder gehen schnell zum Spielplatz, um Peter zu treffen und ihm alles zu erzählen. Sie überlegen, wie Sie Geld besorgen können. Milli packt ihre Fernseherfahrungen aus, doch die Jungs sehen in ihr nur die „Mattscheiben-Milli“, die in ihrer (Werbe-)Fernsehwelt lebt. Sie überlegen, einen Gespensterzirkus aufzuführen, und sie gehen zu Max und Milli nach Hause, um zu üben. Max und Milli bieten Peter an, bei ihnen zu übernachten, doch die Mutter ist dagegen und Peter geht. Als die Mutter wieder geht, kommt Peter, um die Pistole zu holen. Doch mit der ist die Mutter bereits zu Peters Vater unterwegs.
    Die Kinder beginnen wieder zu spielen und tauchen ab in die „Gulli-Welt“, eine Idee von Peter. Plötzlich kommt die Mutter mit Peters Vater nach Hause. Sie suchen Peter, der sich versteckt hat. Sie sprechen über alles und Peter beginnt mit seinem Vater herumzutollen. Die Situation entspannt sich und Peter darf nun doch bei Max und Milli übernachten. Im Bett spielen die Kinder noch miteinander. Plötzlich kommt die Mutter und will Max die Pistole wieder zurückgeben. Doch Max und Peter wollen die Pistole nicht mehr, weil sie ein schöneres Spiel haben.

    Trackliste

    001 Max und Milli (00:17)
    002 Es war jeden Abend dasselbe (04:27)
    003 Am nächsten Tag war meine Schwester Milli wieder da (03:02)
    004 Lied: Oben und unten (01:14)
    005 Nachher auf dem Spielplatz war’s auch furchtbar (02:55)
    006 Lied: Ich hab ein Kuscheltier (01:50)
    007 Zum Glück war Mama nur kurz bei den Nachbarn (04:50)
    008 Eier Butter Milch, Eier Butter Milch, Eier Butter Milch (04:05)
    009 Für den einen Euro (03:04)
    010 So was Ungerechtes! (02:52)
    011 Lied: Mattscheiben-Milli (03:34)
    012 Boah, ist das groß! Ist das für euch ganz allein? (05:25)
    013 Und dann haben wir ganz toll zusammen gespielt (08:12)
    014 Mama baute ein drittes Bett auf dem Fußboden (00:14)
    015 Lied: Zu Bett geh’n (05:12)
    016 Lied: Wir wollen Freunde sein (00:20)

    Zur Produktion

    Bei der Produktion handelt es sich um eine Aufführung aus dem Jahre 2003. Sie ist eine Mischung aus Dialogpassagen und gesungenen Liedtexten, die wichtige Themen verdichten und zum Mitsingen einladen. Im Booklet finden sich die Texte der Lieder.

    Ideen zur Umsetzung

    • Das Hörspiel bietet eine Fülle von Themen, die man in pädagogischen Kontexten nutzen kann. Sehr gut einsetzbar ist die Produktion ab dem Ende der Kindergartenzeit bis zum Ende der Grundschule. Aber auch ältere Kinder können mit den Themen des Hörspiels noch etwas anfangen. Für Eltern liefert das Hörspiel ebenfalls viele Ansatzpunkte für ein Gespräch. Es gibt u. a. folgende Möglichkeiten, die CD einzusetzen:
    • Unabhängig von den gesprochenen Texten bieten die Lieder, deren Texte sich im Booklet finden, eine gute Vorlage, um mit Kindern zu singen und die Themen der Lieder, wie z.B. die Bedeutung von Kuscheltieren, dem Fernsehen oder von Freundschaft, zu besprechen.
    • Diese Themen können dann auch in Form von Aktionen umgesetzt werden, in dem z.B. die Kinder im Kindergarten oder der Grundschule gebeten werden:
      - ihr Kuscheltier mitzubringen,
      - zu erzählen, wie viel Fernsehen sie schauen und was ihre Lieblingssendung ist,
      - ihr Lieblingsspielzeug mitzubringen.
      Daraus lassen sich dann auch Installationen gestalten, wie z.B. der Kuscheltierzoo der Kindergartengruppe oder der Grundschulklasse als Fotomontage.
    •  Das Hörspiel kann bis einschließlich Track 07 angehört werden. Danach sollen die Kinder überlegen wie die Geschichte mit Max, Milli und Peter weitergeht. In der Grundschule (ab Klasse 3) können die unterschiedlichen Ideen auf Kärtchen aufgeschrieben werden oder die Kinder gebeten werden, die Geschichte weiter zu schreiben.
    • Die Themen des Hörspiels können aufgegriffen werden und mit den Kindern darüber gesprochen werden, z.B.:
      - wovor sie Angst haben und was sie dagegen tun,
      - was für sie Freundschaft ist.
    • Die Geschichte kann die Grundlage für eine Bildergeschichte liefern, die von den Kindern gezeichnet wird.

     

    Fazit

    Die Geschichte zeigt den Alltag, wie er sich sicher für viele Kinder darstellt. Die Themen Abenteuer, Angst, Mut, Freundschaft, Vertrauen und Solidarität sind für Kinder in allen Alterstufen von besonderer Relevanz. Dadurch können sich Kinder sehr gut einfühlen und die Produktion auch gut für sich nutzen. Gleichzeitig liefert die Produktion auch viele Ansatzpunkte für das Gespräch mit Kindern. Für Erwachsene ermöglicht er einen Blick auf das eigene Erziehungsverhalten. Man kann davon ausgehen, dass die Produktion auch in zwanzig Jahren noch aktuell ist. Etwas verwirrend ist das Cover. Man stellt sich alle drei Kinder etwas jünger vor, vor allem aber Max, der älter als Milli ist, wirkt hier viel jünger. So etwas irritiert Kinder. Aber dieses Detail beeinflusst die Qualität der Hörspielproduktion nicht.

    Bibliographische Angaben

    Angaben zur Produktion
    Verlag: Patmos Verlag GmbH & Co. KG (http://www.patmos.de/), Düsseldorf
    Autoren: GRIPS Theater / Volker Ludwig / Birger Heymann
    Erscheinungsdatum: Januar 2009
    Empfohlenes Alter: Ab 4 Jahren
    Umfang: 1 CD (ca. 52 Minuten)

    Text: Volker Ludwig
    Musik: Birger Heymann

    Es spielen:
    Max: Jonny Becker / Gesang: David Hellwig
    Milli: Sarah Grunert
    Peter: Maximilian Wessel
    Mama von Max und Milli: Birgit Schneider
    Papa von Peter: Thomas Ahrens

    Regie: Thomas Ahrens
    Musikalische Einstudierung: Bettina Koch
    Schnitt & Mastering: Thomas Stiehler
    Musikproduktion & Arrangements: Bettina Koch & Thomas Stiehler
    Illustration: Ute Krause
    Gestaltung: INIT, Bielefeld

    Produktion: Grips Theater Berlin, 2003

    Bibliographische Angaben: GRIPS Theater , Volker Ludwig & Birger Heymann: Max und Milli, 1 CD, 52 Min. (16 Tracks), 12,95 Euro, ISBN 978-3-491-24177-0

    Tipp:
    Auf der Homepage von Patmos findet man unter folgendem Link eine Hörprobe:
    http://www.patmos-audio.de/titel-120-120/max_und_milli-7227/

    (Rezension: Richard Stang)

     

    Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:
    http://www.ifak-kindermedien.de/