
CD des Monats September 2009
Diana Peßler: logo! Wissen zum Hören - Wahlen und Politik in Deutschland
Einführung
Angenommen, Sie stünden vor einer Eisdiele, welche Eissorte würden Sie wählen? Banane, Waldmeister oder gar Lakritze? Und welche Sorten schmecken zusammen wohl besonders gut? Was Eiscreme mit politischen Parteien gemeinsam hat, erklärt das Hörbuch „Wahlen und Politik in Deutschland“ der logo!-Redaktion.
Seit nunmehr 20 Jahren erklären die Macher der Kindernachrichtensendung logo! einfach und verständlich Kindern, Jugendlichen und sicher auch manchem Erwachsenen das Zeitgeschehen und komplizierte politische Zusammenhänge. Das Programm läuft in mittlerweile zehn Ausgaben pro Woche erfolgreich auf ZDF und KI.KA und wird von einem umfangreichen Internetauftritt begleitet. Seit August 2009 gibt es das logo!-Wissen nun auch als Hörbuch in einer Sachfeature-Reihe. Im Superwahljahr 2009 ist logo!-Reporterin Anja Kohl mit der CD „Wahlen und Politik in Deutschland“ wichtigen Themen auf der Spur: Warum haben die Parteien Farben? Sagen Politiker eigentlich immer die Wahrheit, und wird im Bundestag auch einmal geflucht? Und wann dürfen Kinder endlich wählen?
Diese und viele weitere Fragen an die Redaktion beweisen, dass Kinder an Wahlen und Demokratie großes Interesse zeigen und Politikverdrossenheit keine zwangsläufige Erscheinung sein muss.
Inhalt
Track 01 bis 03: Hallo bei logo! … und auf in den Wahlkampf
Wahlkampf findet nicht mit den Fäusten statt, sondern mit Worten und Taten. Politiker treten in den Medien auf oder suchen das direkte Gespräch mit den Bürgern, um den Menschen ihre politischen Ideen und Ziele mitzuteilen. Dafür bedarf es vieler helfender Hände im Hintergrund. Reporterin Anja besucht eine Gruppe von Wahlhelfern der Jungen Union. Deren Aufgabe ist es, in der ganzen Stadt Wahlplakate der CDU anzubringen. Dies ist sehr anstrengend und kann bis tief in die Nacht dauern. Es heißt auch schnell zu sein, da mit Wahlhelfern anderer Parteien um die besten Stellplätze gekämpft werden muss. Ein Plakat des „Gegners“ zu überkleben, verstößt aber gegen den Ehrenkodex. Trotzdem werden Plakate häufig abgerissen oder demoliert. Auch bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, ist man eifrig bei der Arbeit und verteilt Flyer und Gummibärchen in Kneipen und in der Fußgängerzone. So will man gezielt junge Wähler erreichen. Nicht jeder Passant freut sich über die unverlangte Wahlwerbung, und einige entsorgen die Infozettel schnellstmöglich. Andere schätzen das Engagement der Wahlhelfer und freuen sich über die persönliche Ansprache. Mancher Wirt fürchtet um seine Gäste, die anderen Parteien anhängen könnten, und untersagt deshalb Verteilaktionen.
Track 04: Politik und Medien
Da man nicht alle Wähler persönlich treffen kann, muss man mit Hilfe der Medien in ihre Wohnzimmer gelangen. Hierbei müssen Wortwahl und Wirkung genauestens beachtet werden, meint Medienberater Axel Wallrabenstein im Interview. So können Politiker nicht frei ihre ehrliche Meinung äußern, dürfen sich aber auch nicht verstellen, da die Wähler wie auch Kinder schnell merken, wenn jemand zu lügen versucht. Aber auch Oberflächlichkeiten wie die Wahl der Krawatte oder des Transportmittels bestimmen durch die mediale Verbreitung das Bild eines Politikers in der Öffentlichkeit und seine Glaubwürdigkeit. Ungewöhnliche Aktionen erregen Aufmerksamkeit. Viele Politiker müssen erst lernen, gut in den Medien zu wirken.
Track 05: Parteien
Aus der bunten Parteienlandschaft eine Partei auszuwählen, ist genauso schwer wie sich in der Eisdiele für eine Eissorte zu entscheiden. Und wie diese, hat auch jede Partei eine bestimmte Farbe. Reporterin Anja erklärt die Namen, Ziele und Farben der wichtigsten Parteien: Die CDU ist das schwarze Lakritzeis, die Farbe betont die christlichen Wurzeln und erinnert an die schwarze Kleidung der Geistlichen. Als Volkspartei will sie sich für alle Bürger einsetzen. Genau wie die SPD. Deren Kirscheisfarbe entstammt den roten Fahnen der Arbeiterbewegung. Das Gelb der FDP hat keinen tieferen Sinn sondern entspringt einer Werbestrategie. Mehr Freiheit für die Menschen bedeutet nach Wunsch der Liberalen weniger Gesetze, Kontrollen und Steuern. Die Grünen setzen sich besonders für die Natur und den Umweltschutz ein und haben deshalb die Farbe von Waldmeister. Die Farbe Rot (Johannisbeereis) ist typisch für linke Parteien. Die Linke möchte, dass der Staat mehr Geld von den reichen an die ärmeren Mitbürger verteilt.
Eine Koalition ist also so etwas Ähnliches wie ein Eisbecher. Parteien verschiedener Farben müssen ein Bündnis eingehen, da sie nicht allein regieren können. Rot, Gelb, Grün nennt man Ampel. Schwarz, Gelb, Grün dann „Schwampel“ oder Jamaika-Koalition, oder in der logo!-Sprache: „Lakritz-Banane-Waldmeistereis-Koalition“.
Track 06: Sollen Kinder wählen dürfen?
Als Nächstes besucht Anja das Berliner Kinderrechtsprojekt K.R.Ä.T.Z.Ä. (http://www.kraetzae.de/), das sich für ein Kinderwahlrecht einsetzt, da Kinder genauso wie Erwachsene von politischen Entscheidungen betroffen sind. Aber wollen Kinder überhaupt wählen? Interviews auf der Straße zeigen ein uneinheitliches Bild: manche finden es unfair, nicht wählen zu dürfen, andere halten sich für nicht kompetent genug oder haben schlicht kein Interesse an Politik. Auch Politiker sind geteilter Meinung: Die Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages Ekin Deligöz hält die mit dem Wahlrecht verbundene Verantwortung für zu groß und Kindern nicht zumutbar. MdB Hermann Otto Solms fordert dagegen ein Wahlrecht ab der Geburt, das von den Eltern übernommen werden kann, bis ein eigenes Interesse des Kindes besteht. Diese Lösung wird von den Kindern abgelehnt, besteht hier doch die Gefahr der Manipulation.
Track 07 bis 08: Im Wahllokal und bei der Wahlforschung
Um herauszufinden, wie das Wählen denn nun konkret vonstatten geht, begleitet Anja Romy bei ihrer ersten Wahl. Sie hat eine Benachrichtigung erhalten und sucht ihr Wahllokal auf. In die Wahlkabine darf immer nur eine Person, da Wahlen absolut geheim sind. Den Wahlzettel wirft sie in eine Wahlurne. Was sie gewählt hat, will sie nicht verraten. Romy ist fertig, aber für die Wahlhelfer geht die Arbeit erst los. Nach Schließung des Wahllokals müssen sie bis tief in die Nacht alle Stimmen auszählen. Bevor das endgültige Ergebnis feststeht, gibt es bereits erste Prognosen, die von Wahlforschern aufgestellt werden. Die „Forschungsgruppe Wahlen“ stellt einer repräsentativen Auswahl von Wählern telefonisch vor wichtigen Wahlen die sogenannte „Sonntagsfrage“. Am Wahlsonntag selbst wird dann vor zufällig ausgewählten Wahllokalen befragt. Nicht immer stimmen die Vorhersagen, und mancher Politiker wähnte sich zu früh als vermeintlicher Sieger.
Track 09 bis 10: Von den Wahlen zur Regierung
Was passiert nach einer Bundestagswahl? Je nach Anzahl der gewonnenen Stimmen werden die Sitze im Parlament an die Parteien verteilt. Wenn keine absolute Mehrheit zustande kam, müssen Koalitionen gebildet werden. Die Abgeordneten wählen nun den Regierungschef, also den Bundeskanzler. Dieser wiederum sucht sich seine Minister aus und bildet gemeinsam mit diesen die Bundesregierung.
Demokratie ist also ganz schön aufwendig – wäre eine Monarchie nicht die bessere Lösung? Ein Experiment in einer dritten Klasse zeigt: es ist unfair, dass ein zufällig an die Macht gelangter Herrscher willkürlich Gesetze nach seinem Geschmack erlassen darf. Entscheidungen sollten von allen getroffen werden und der Gewählte muss im Sinne seiner Wähler handeln.
Track 11 bis 13: Der Bundestag: Ein Abgeordneter bei der Arbeit
Die Reise geht weiter in den Bundestag nach Berlin. Hier wird oft leidenschaftlich debattiert und es fallen schon mal Schimpfwörter wie z.B. „Übelkrähe“, was die Originalmitschnitte aus dem Parlament beweisen. Was macht ein Abgeordneter eigentlich so den ganzen Tag? Dieser Frage geht Kinderreporterin Frieda nach und besucht Hans Christian Ströbele bei der Arbeit in seinem Büro und im Rechtsausschuss, wo an den Gesetzen gearbeitet wird. Politiker haben viele Termine, lange Arbeitstage und müssen lange still sitzen können. Die wichtigen Entscheidungen fallen in den Ausschüssen, zusätzlich muss eine Vielzahl an Emails und Berichten gelesen und geschrieben werden. In den Sitzungen des Bundestages bleiben deshalb oft viele Stühle leer. Viele Abgeordnete kann man auch in ihren Bürgerbüros im Heimatwahlkreis treffen. Im Interview erzählen Kinder, welche Bitten sie an einen solchen Abgeordneten richten würden: Mehr Spielplätze, mehr Geld für die Dritte Welt, weniger Pestizide und Abgase oder mehr Geld für hart arbeitende Menschen.
Track 14: Im Kinder- und Jugendparlament
Wer sich selbst politisch engagieren möchte, kann dies regional in Kinder- und Jugendparlamenten tun. Im Rathaus Offenbach findet gerade eine Sitzung statt. Die 50 Teilnehmer haben sich in ihren Schulen aufstellen und wählen lassen und setzen sich nun für eine kinderfreundlichere Stadt ein. Ihre Vorschläge, z.B. neue Basketballkörbe oder ein Musikfestival, werden beim Stadtrat beantragt und meistens auch umgesetzt. Den Beteiligten macht es großen Spaß, etwas bewegen und verbessern zu können, sie lernen viel dabei und werden selbstbewusster.
Jetzt hat Anja alle Fragen der logo!-Zuschauer beantwortet und kehrt zurück in die Redaktion.
Trackliste
Die CD besteht aus 14 Tracks, die auf der CD-Hülle teilweise zu acht größeren thematischen Blöcken zusammengefasst werden:
- 001-003 Hallo bei logo! … und auf in den Wahlkampf (10:30)
- 004 Politik und Medien (04:22)
- 005 Parteien (04:55)
- 006 Sollen Kinder wählen dürfen? (05:49)
- 007-08 Im Wahllokal und bei der Wahlforschung (08:54)
- 009-10 Von den Wahlen zur Regierung (05:44)
- 011-013 Der Bundestag: Ein Abgeordneter bei der Arbeit (10:24)
- 014 Im Kinder- und Jugendparlament (05:37)
Zur Produktion
Nach dem einleitenden logo!-Jingle folgt ein exzellent produziertes, geschickt montiertes Feature. Der schnelle Wechsel zwischen Erklärtexten, Interviewausschnitten und Originalton sorgt für Geschwindigkeit und Lebendigkeit. Trotzdem kommt keine Hektik auf: Die Kernaussagen der Interviews werden nachfolgend nochmals zusammengefasst und bleiben so besser im Gedächtnis. Die teilweise mehrere Tracks umfassenden Themenblöcke bauen chronologisch aufeinander auf, können aber auch für sich gehört werden. Auch die erzählenden Texte sind mit Originalgeräuschen wie Zangenknipsen oder Schlüsselklappern unterlegt, was nicht nur zur Anschaulichkeit beiträgt, sondern auch für das ein oder andere Schmunzeln sorgt. Die eingängigen Stimmen der Sprecher sind vielen Hörern aus der Fernsehsendung bereits bekannt, die Sprache bleibt durchweg auf kindgerechtem Niveau.
Das Element des Kinderreporters, der durch entwaffnende Fragen oft erstaunlich offene Antworten der Politiker provoziert, wurde aus der Sendung übernommen. Ungewöhnliche Vergleiche – Eissorten mit Parteien - machen abstrakte Zusammenhänge transparent. Häufig in den Medien verwendete Fachbegriffe wie Koalition, Parlament, Hochrechnung oder Ausschuss werden implizit im Text erklärt, manche Information wird aber sicher erst nach mehrmaligem Hören behalten. An manchen Stellen bleiben notgedrungen Fragen offen, z.B. was genau ist eine linke Partei und was wäre dann eine rechte Partei? Die Erklärungen der zentralen Begriffe Demokratie, Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahl sowie Partei und Koalition sind im Booklet abgedruckt. Noch mehr Informationen zum Vertiefen, Nachlesen und Nachschauen gibt es auf der logo!-Homepage in einer speziell zur Bundestagswahl 2009 gestalteten Rubrik.
Ideen zur Umsetzung
Jedes der wesentlichen Themen der CD bietet Ansätze zur vertiefenden Beschäftigung und fordert Diskussionen geradezu heraus.
Unter anderem sind folgende Diskussionen denkbar:
- Kinderwahlrecht: Sollen Kinder wählen dürfen? Würdet Ihr selbst gerne wählen gehen
- Außenwirkung von Politikern: Welche Dinge können der Glaubwürdigkeit eines Politikers schaden? Kennt ihr Fälle aus den Nachrichten oder aus dem Ort, wo dies passiert ist?
- Demokratie vs. Monarchie/Diktatur: Wie beurteilt Ihr das Experiment der dritten Klasse? Was ist gut an der Demokratie, wo liegen die Nachteile? Hättet Ihr lieber einen König? Welche Gefahren birgt es, wenn einer allein entscheiden darf?
- Politische Programme: Welche Wünsche hättet Ihr an einen Abgeordneten Eures Wahlkreises? Wenn möglich, besucht ihn in seiner Bürgersprechstunde oder ladet ihn ein und erzählt, was Euch wichtig wäre. Wie reagiert der Politiker auf Eure Vorschläge? Die lokalen Abgeordneten findet Ihr hier.
In einem Projekt oder Rollenspiel kann ausprobiert werden, wie es ist, selbst Politik zu machen. Spielerisch lässt sich erfahren, wie Parteien funktionieren, wie wichtig und schwierig es ist, passende Ziele und Ideen zu entwickeln und diese gegenüber anders lautenden Meinungen zu vertreten und zu verteidigen.
- Eigene Partei gründen: Kinder finden sich in Gruppen zusammen
- Parteiprogramm aufstellen: Welche Themen sind uns wichtig? Was wollen wir verbessern? Wofür soll unsere Partei kämpfen?
- Name und Farbe suchen: Wie soll die Partei heißen? Welcher Name drückt am besten unsere Ziele aus? Welche Farbe geben wir der Partei und warum?
- Plakat entwerfen: Welche Symbole oder Bilder passen zu unserer Partei?
- Vorsitzenden wählen und Debatten führen: Wer führt mit Vertretern der anderen Parteien eine Debatte zu einem Parteiprogrammthema?
Das Projekt kann beliebig erweitert werden. So ist es z.B. denkbar, in der Schule zu einem fiktiven oder realen Thema eine Wahl inklusive Wahlkampf zu organisieren und durchzuführen.
Fazit
Das Hörbuch „logo! Wahlen und Politik in Deutschland“ schafft nicht nur spannende Einblicke und Demokratieverständnis, es macht vor allem Lust auf Politik und persönliches Engagement. Gerade durch die Fokussierung auf die politisch tätigen Menschen und ihre Aufgaben wird ein tieferes Verständnis politischer Prozesse initiiert. Politik ist harte Arbeit und braucht viele Helfer und Berater. Sie ist aber auch ein Geschäft mit den Medien, und Politiker sind privat anders als im Fernsehen. Durch diese Erkenntnis regt das Feature zur Reflexion an und fördert die Kritikfähigkeit Medienprodukten gegenüber.
Ein rundum gelungenes Sachhörspiel, das nicht nur vor wichtigen Wahlen vielfältig im Unterricht eingesetzt werden kann. Auf weitere Produktionen aus der „logo! Wissen zum Hören“-Reihe darf man gespannt sein.
Angaben zur Produktion
Verlag: DHV – Der Hörverlag GmbH (http://www.hoerverlag.de/), München
Autorin: Diana Peßler
Erscheinungsdatum: August 2009
Empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren
Umfang: 1 CD (ca. 56 Minuten)
Sprecher/innen:
Erik Illenseer
Diana Peßler
Anja Roth
Kinderreporterin: Frieda Barck
Buch und Regie: Diana Peßler
Producer / Tontechniker: Julian Rochlitzer
Bibliographische Angaben
Audio-CD:
Diana Peßler: logo! Wissen zum Hören. Wahlen und Politik in Deutschland
14 Tracks, 56 Min.
Der Hörverlag GmbH, München 2009
ISBN: 978-3-86717-434-3
Preis: 9,95 Euro
(Rezension: Christina Reul, Institut für angewandte Kindermedienforschung)
Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:
http://www.ifak-kindermedien.de/
Des Weiteren erscheint die "Cd des Monats" bei "Schau Hin". Die Initiative bietet Eltern eine Hilfestellung zum Umgang mit Medien für Kinder.
