
CD des Monats November 2010
DONIKKL und die Weißwürschtl: Wir geh’n ab!
Einführung
„Oh nein, das ist echt schade – ich hab’ das alles nur geträumt“ wird so manch eine/r nach dem Genuss unserer „CD des Monats“ vor sich hin singen. Zum Träumen lädt sie ein, und es ist wirklich schade, wenn sie nach einer knappen Stunde schon zu Ende ist – die neue Produktion „Wir geh’n ab!“ der Riedenburger Kinderliedermacher „DONIKKL und die Weißwürschtl“.
Die siebenköpfige Band um Andreas Donauer alias DONIKKL besteht aus Profimusikern und Pädagogen und machtdeutschsprachigen „Family-Reggae-Pop-Rock“. Das „ist eine mitreißende, frische Mischung aus fröhlichem Reggae, treibendem Ska, krachendem Rock, flippigem Pop und groovigem Funk“. Diese Beschreibung des eigenen Musikstils finden Sie auf der Homepage der Band (http://www.donikkl.de/) und sie trifft auch für „Wir geh’n ab!“ voll ins Schwarze.
Inhalt
Die CD „Wir geh’n ab!“ beginnt mit dem gleichnamigen Lied, das die Hörer fröhlich-funkig in das neue DONIKKL-Album einführt. Anschließend wird es mit „Kleine Monster“ und „Rock Teddy“ gleich richtig laut und rockig, alles ist fest in E-Gitarren-Hand. Zwischen den beiden Rocknummern gibt es eine musikalische Anleitung zum Pizzabacken. In Track 03 („Pizza Pizza“) wird einem klar, dass „DONIKKL und die Weißwürschtl“ Kinder nicht nur in Form eines Backgroundchors an ihrer Musik teilhaben lassen. Der Junge Moritz Schell erzählt hier mit sympathisch rollendem „R“: „I bin der Pizza-Sepp, i bin der Pizza-Sepp, i sing’ euch einen Pizza-Rap.“
Anschließend erfahren die Zuhörer bei den darauf folgenden Liedern einen gelungenen Wechsel zwischen Ska, leichtem Punk, Reggae und Rockpop, mit vielen typischen Elementen wie Percussion und Trompetenstößen. Die Texte von „Sieh’ mal her wie ich tanze“, „Ich trau’ mir endlich mal was zu“, „Alles nur geträumt“, „Ich bin echt gut“ und „Ich bin doch noch ein Kind“ möchten vor allem den Kindern auf verschiedene Arten Mut machen, zu sich selbst zu stehen und ein Bewusstsein für sich zu entwickeln. Von diesen Mutmach- und Mitmach-Liedern können aber auch die älteren Zuhörer profitieren. Dazwischen präsentiert uns DONIKKL mit dem Rockpop-Hit „Kicky“ die Geschichte „einer asiatischen mini Hängebauchsau“, ein fröhliches Quatschlied über ein „Super-Schwein“.
Danach folgen mit „Kissenschlacht“ und „Quaaak“ zwei fetzige Party-Songs, von denen vor allem der erste auch gut ins Repertoire einer Deutschpunkband wie „Die Ärzte“ passen würde. Das sich anschließende „Russ gagga“-Lied ist wieder sehr quatschig und eine Tanzanleitung der besonderen Art: „Hände nach oben, auf den Vordermann legen, ihn durchmassieren, ihn richtig kneten. […] Wir beugen uns nach vorn und den Kopf fest schütteln, dazu auf der Stelle stampfen, der Boden der soll rütteln. Jetzt strecken wir die Hände hoch hinaus und machen aus den Fingern ein Peace-Zeichen d’raus. […]“. Hilfreiche Unterstützung beim Bewegen erfährt man in diesem Reggae-Ska-Song von der Trompete und dem Schlagzeug.
Die CD „Wir geh’n ab!“ klingt gemütlich mit den Liedern „Gloana Koala“, einer klassischen Roots Reggae-Nummer, und dem nur vom Piano begleiteten Track 15 aus. „Wieder Kind“ fällt besonders auf, weil der Song am meisten mit dem sonstigen Albumkonzept bricht, ist aber für den Schluss gut gewählt.
Nach etwas Wartezeit erklingt am Ende der Produktion noch ein versteckter Bonus. „DONIKKL und die Weißwürschtl“ sitzen im Studio und geben den treuen Hörern unter großem Gelächter quasi eine Zusammenfassung des Albums unter einer textlich veränderten Perspektive. Dranbleiben lohnt sich!
Trackliste
001 Wir geh’n ab! (02:10)
002 Kleine Monster (02:25)
003 Pizza Pizza (03:20)
004 Rock Teddy (02:14)
005 Sieh’ mal her wie ich tanze (02:33)
006 Ich trau’ mir endlich mal was zu (02:50)
007 Alles nur geträumt (04:10)
008 Kicky (03:45)
009 Ich bin echt gut (03:08)
010 Ich bin doch noch ein Kind (02:43)
011 Kissenschlacht (04:04)
012 Quaaak (02:31)
013 Russ gagga (02:24)
014 Gloana Koala (02:51)
015 Wieder Kind (14:46)
Gesamtspielzeit: 55:54
Ideen zur Umsetzung
Die CD „Wir geh’n ab!“ kann in mehreren Stufen im Tanz- und Bewegungsunterricht eingesetzt werden. Die unterste Stufe, das simple Einlegen der Scheibe und das Warten auf die Wirkung, konnte bereits in einer Tageseinrichtung mit offenem Konzept erfolgreich an der primären Zielgruppe getestet werden. Knapp 20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren versammelten sich binnen kürzester Zeit im Bewegungsraum, beäugten neugierig das Booklet, wiegten sich im Takt und wippten bzw. stampften mit den Füßen oder spielten einfach nur enthusiastisch zur begleitenden Musik. Das Medium allein bricht also bereits das erste Eis.
Darauf aufbauend können nun die Bewegungen der Kinder koordiniert sowie langsam dem Takt und Rhythmus angeglichen werden. Dazu eignen sich diverse Hilfsmittel wie z.B. bunte Tücher, die einzelne Bewegungen eindrucksvoller veranschaulichen. Sind die eigenen „Moves“ erst einmal verinnerlicht (die von der Band verwendeten Musikstile lassen diesbezüglich eine Menge tänzerischen Freiraum), können die einzelnen Grundschritte miteinander verbunden werden, um auf Rhythmus- und Tempi-Wechsel in einem Lied entsprechend zu reagieren.
Sind alle vorbereitet, kann man anschließend mit den Kindern zur nächsten Stufe wechseln, dem Tanz. Jetzt gilt es ein ganzes Lied lang mitzumachen, sich mit anderen abzustimmen oder mit ihnen zu interagieren. Es entsteht nunmehr eine Bewegungsabfolge, die zum einen den Anweisungen musikalischer Tanzanleitungen wie „Russ gagga“ und „Sieh’ mal her wie ich tanze“ folgen darf, sich zum anderen frei und spielerisch aus den Rhythmen und Texten der Songs entwickelt. Sind auch diese Choreografien eingeübt und reproduzierbar, steht dem Auftritt einer Kindermusicalgruppe in der Einrichtung nichts mehr im Wege. Den Impressionen folgend, die „DONIKKL und die Weißwürschtl“ musikalisch auf CD und visuell im Booklet hinterlassen (s. nächster Punkt: Zur Produktion), darf beim Musicalauftritt ordentlich herumgealbert und sich anständig kostümiert werden.
Wer für solche Projekte wenig Zeit, aber dafür vielleicht etwas Veranstaltungsetat übrig hat, der kann DONIKKLs „kunterbunte Mitmach-Musikshow“ auch buchen. Die Kontakte für Konzertanfragen finden Sie unter http://www.donikkl.de/s/kontakt/.
Darüber hinaus kann auch unabhängig von der Musik mit den Liedtexten selbst gearbeitet werden:
„Kicky“, das kleine, superbe Hängebauchschwein lädt zu einer Visualisierung seiner Person ein, z.B. durch mit den Kindern angefertigte Bilderreihen oder Collagen über das Leben der glücklichen Sau. „Pizza Pizza“ eignet sich natürlich hervorragend für eine italienische Koch- und Backstunde (bitte nicht die im Lied vorgeschlagene „riesen Currywurst“ verwenden!) und „Gloana Koala“ lässt sich als kleines, kuscheliges Hörritual vor dem Mittagsschlaf etablieren.
Fast alle anderen Songs des Albums „Wir geh’n ab!“ bieten außerdem Impulse an, die bei Gesprächen und Diskussionen oder in der Reflexion das Selbstbewusstsein enorm fördern. Besonders hervorzuheben sind die Themen Mut („Ich trau’ mir endlich mal was zu“, „Ich bin echt gut“, „Ich bin doch noch ein Kind“) und Träume („Alles nur geträumt“, „Wieder Kind“).
Zur Produktion
Tom Palme, Kirby Kobold, Ameisenmichl, Erich der Koch, Peter Trom, Rodscha aus Kambodscha und natürlich DONIKKL – wenn sich Musiker solche Spitznamen verleihen, werden sie sich selbst nicht ganz ernst nehmen. Diese erfrischend gesunde Portion Selbstironie spiegelt sich in eigentlich allen Songs der Band wider. Noch deutlicher wird dies in der Visualisierung: im ansprechenden, orange gestalteten Beiheft zur CD, in dem sich übrigens auch alle Liedtexte befinden, sieht man die sieben Herren in nicht ganz alltäglichen Outfits in witzigen (Tanz-)Posen.
Die Palette der verwendeten Stile ist groß und DONIKKLs Musik bewegt sich, wie in der Eigenbeschreibung zu lesen, zwischen Rockpop, Funk, Reggae und Ska. Die Songs differenzieren sich in weitere musikalische Untergruppen, z.B. erinnern „Rock Teddy“ und „Kleine Monster“ sehr an Punk bzw. Skatepunk. Das Pizzabäckerlied „Pizza Pizza“ geht sogar noch weiter, hier rappen Kinder zu Samba und Polka. Fröhlich und inspirierend zu sein und die Tanzlust zu wecken, diese Aufgabe ist den meisten Liedern auf der CD gemeinsam. Es gibt aber auch ruhigere, besinnlichere Songs, vor allem gegen Ende des Albums. Hier erzählt uns - untermalt von Roots Reggae - ein „Gloana Koala“ von seinem gemütlichen Leben, der Track „Wieder Kind“ möchte die Gedanken der Zuhörer nach „Fantasien“ lotsen und verwendet dafür lediglich sanfte Pianobegleitung. So geht die CD „Wir geh’n ab!“ beruhigend und entspannend zu Ende … doch aufgepasst! Wer nach dem vermeintlich letzten Lied noch ca. sechs Minuten abwartet (oder bis 09:00 vorspult) findet einen Hidden Track, der die mittlerweile vielleicht eingekehrte Ruhephase abrupt beendet. Jetzt hört man nämlich die sieben Musiker im Studio eine Art Medley ihres Albums spielen: spontan; ohne viel Technik; und die hier gesungenen Texte bekommen im Stile von „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ kräftig die Vokale, Umlaute und Diphthonge vertauscht. Gemeinsam mit der Musik führt das natürlich zu sehr viel Gelächter seitens der Band, die sich ganz zum Schluss dann noch bei den Zuhörern verabschiedet.
Fazit
„DONIKKL und die Weißwürschtl“ machen schon eine ganze Weile erfolgreich Musik für Kleine und Große, was zahlreiche Auftritte im Fernsehen belegen. Vielen Erwachsenen wird vielleicht von diversen Feiern und Feten das Fliegerlied „So a schöner Tag!“ geläufig sein.
Doch darauf darf man die siebenköpfige Band nicht reduzieren. Sie produzieren „neue, zeitgemäße und innovative Kindermusik, die auch Erwachsene mitreißt“, und garantieren dabei sogar auf ihrer Homepage das Nichtvorhandensein des pädagogischen Zeigefingers. Den sucht man auch auf dem neuen Album „Wir geh’n ab!“ vergeblich, man findet dafür Heiterkeit, Selbstironie und jede Menge fröhlicher, fetziger Musik. Big up to DONIKKL, big up!
Tipps: Wer sich nicht sofort zwischen den mittlerweile sechs erschienenen DONIKKL-CDs entscheiden kann, greift am besten zum „Best of 2001 – 2009“-Album. Hier erhält man 15 musikalische Highlights und im Booklet gibt es ein Anleitungsextra mit bebilderten Tanzschritten für das Fliegerlied.
Hörproben zu allen Alben sind selbstverständlich auch im Netz vorhanden, zu finden sind sie unter der Adresse http://www.donikkl.de/fan-bereich/cds/.
Neben der Musik hat Andreas Donauer alias DONIKKL gemeinsam mit Bernhard Hagemann auch eine Hörspiel-Musicalserie „DONIKKLs kleine Monster“ produziert, die erste Folge „Planet DONIKKL“ ist ab dem 25. November 2010 erhältlich. Nähere Informationen dazu gibt es unter http://www.kleine-monster.de/.
Angaben zur Produktion
Musik
Label: DONIKKL-Productions (http://www.donikkl.de/), Riedenburg
Interpret: DONIKKL und die Weißwürschtl
Erscheinungsdatum: Mai 2010
Empfohlenes Alter: Für alle Altersstufen
Umfang: 1 CD (ca. 56 Minuten)
Musiker:
DONIKKL: Gesänge, E-Gitarren, Akustik-Gitarren, Keyboards, Percussion
Rodscha aus Kambodscha: Gesang, E-Gitarre
Tom Palme: Gesang, Akustik-Gitarren, E-Gitarre
Erich der Koch: Schlagzeug, Percussion, Gesang
Kirby Kobold: E-Piano, Orgel
Ameisenmichl: Bass
Peter Trom: Trompete
Pre-Mix: DONIKKL (Andreas Donauer)
Final Mix: Christian Georg, MagicMangoMusic-Studio
Mastering: Calyx-Mastering
Aufnahme (Schlagzeug und Bass): Bernhard Frank / Jake Röder, Ostwerk-Studio
Aufnahme (alles andere): DONIKKL (Andreas Donauer), DONIKKL-Productions-Studio
Studio-Assistenz: Christian Preis
Produzent: DONIKKL (Andreas Donauer)
Produktion: DONIKKL-Productions Riedenburg, 2010
Bibliographische Angaben:
Audio-CD
DONIKKL und die Weißwürschtl: Wir geh’n ab!
15 Tracks, 56 Min.
DONIKKL-Productions 2010
EAN: 4024572436636
Preis: 13,80 Euro
Rezension: Peter Marus, Institut für angewandte Kindermedienforschung
Die "CD des Monats" erscheint außerdem beim Institut für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien, Stuttgart:
http://www.hdm-stuttgart.de/ifak/startseite/
Darüber hinaus erscheint die „CD des Monats“ bei SCHAU HIN! http://schau-hin.info/medienerziehung/lesen-hoeren/hoerbuch-tipps.html. Die Initiative bietet Eltern eine Hilfestellung zum Umgang mit Medien für Kinder.

