
CD des Monats Dezember 2010
Gert Scobel: Wie Niklas ins Herz der Welt geriet
Hier finden Sie die Besprechung der CD des Monats als PDF-Version (34 kb).
Einführung
„Die Schönheit der Dinge sieht man immer erst, wenn sie ganz weit weg oder verschwunden sind.“ Dieser Spruch bewahrheitet sich für den Jungen Niklas, als er seine geliebte Hündin Lola durch Krankheit verliert und seine Welt seitdem von leiser Traurigkeit durchzogen ist. Wie er mit seiner Trauer zu leben lernt und über die Begegnung mit einem alten Mann schließlich ins „Herz der Welt“ gelangt, davon erzählt das Hörbuch „Wie Niklas ins Herz der Welt geriet“. Das gleichnamige Kinderbuch von Gert Scobel als Vorlage und die ruhige, intensive Interpretation durch Rosemarie Fendel ergeben zusammen ein eindringliches Hörerlebnis über Verlust, Loslassen und die großen Fragen des Menschseins.
Inhalt
Spur 001
Fast zwei Minuten lang stimmt die zaghaft beginnende und sich später melancholisch wiegende Musik auf die kommende Geschichte ein.
Spur 002
Niklas will nicht aufstehen und der strahlend blaue Himmel stört ihn. Denn seine innig geliebte Hündin Lola ist tot und dadurch ist nichts mehr, wie es war. Alles ist mit Traurigkeit durchsetzt und nichts vermag ihn mehr wirklich zu erfreuen.
Seine Mutter versteht Niklas‘ Gefühle und verwöhnt ihn, doch auch sie kann das Gefühl des Verlusts nicht vertreiben. Alles erinnert ihn an Lola. Er muss oft an den Satz seiner Lehrerin denken, dass man die Schönheit der Dinge erst erkenne, wenn diese weit weg oder verschwunden seien. So wie Lola, die verwelkten Blumen, die sie im Frühling im Unterricht gepflanzt hatten oder der Sommer, jetzt wo der Winter vor der Tür steht.
Spur 003
Beim nun einsamen Spazieren gehen trifft Niklas manchmal noch Lolas Hundefreunde, z.B. Benni, für den er immer ein Leckerchen dabei hat. Doch über allem liegt ein Schleier: die Erde ist dunkler, die Nässe nasser, und das Laub riecht weniger gut. Mit Lola war die Welt schön gewesen und hätte immer so bleiben können.
An einem Wintertag sieht Niklas einen alten Mann alleine auf einer Bank sitzen und muss plötzlich an Lola denken. Nach ein paar Tagen freundlichen Grüßens beginnen die Beiden ein Gespräch. Der alte Mann heißt Johannes und sitzt gerne auf der Bank um in Ruhe nachzudenken, in die Sonne zu blinzeln oder den Schnee zu betrachten. Niklas und Johannes freunden sich an.
Spur 004
Auch Johannes hat einen Verlust erlitten und denkt viel an seine verstorbene Frau Martha. Niklas und der Mann erzählen sich gegenseitig von ihren Erinnerungen. Die Gespräche tun Niklas sehr gut und machen das Unbegreifliche verständlicher. Die Dinge bekommen so „eine schönere Ordnung“.
Spur 005
Im Frühling kommt der Mann seltener zur Bank. Eines Abends fragt Niklas ihn, ob der Himmel eine Grenze habe, und ob ein Baum den Himmel berühren könne. Johannes antwortet: „Es zieht dich ein wenig und es ist ein bisschen schmerzhaft. Das ist das Gefühl, wenn das Unendliche und das Endliche zusammentreffen.“ Niklas versteht nicht alles, aber er hat eine Ahnung und denkt wieder an den Satz seiner Lehrerin. Je verlorener man sich angesichts der Weite und Kälte des Universums fühlt, desto klarer wird einem doch, dass man ein Teil des Ganzen ist. Die Begegnung mit der Unendlichkeit schärft den Blick für die Kleinigkeiten und die Schönheit der Endlichkeit: ein warmes Zimmer, die Liebe der Mutter, blühende Frühlingsblumen. Angesichts des Verlustes verspüren wir die Kraft des Lebens deutlicher und geraten so ins „Herz der Welt“.
Niklas nimmt die ihn umgebende Szenerie jetzt bewusst in sich auf: seinen eigenen Herzschlag, den Alten mit dem schütteren Haar, die grünen Ahornzweige, die Mondsichel am Abendhimmel, das entfernte Hundebellen. Er stellt mit innerer Ruhe fest: „Es ist schön so wie es ist.“ Niklas ist eins mit der Welt, fühlt sich leicht und versteht, dass die Traurigkeit kommt und geht, wie die Wolken, die ab und zu den Mond verdecken, ihn aber nie berühren. „Es ist so schön, jetzt hier zu sein“ sagt Niklas und sieht dabei aus „wie eine träumende Knospe, aus der immer neue Blüten erwachen.“
Spur 006
Erneut melancholisch, dieses Mal jedoch gleichzeitig zuversichtlich beschwingt und hintersinnig verschmitzt, entlässt das abschließende Musikstück den Hörer in seine eigene Suche nach dem Herz der Welt.
Trackliste
Track 1 01:42
Track 2 04:59
Track 3 09:40
Track 4 04:15
Track 5 09:03
Track 6 01:59
Gesamtspielzeit: 31:38

