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    Zuhörforschung

    Ein Interview mit Volker Bernius, Mitarbeiter und Fachbeirat der Stiftung Zuhören

    Die Fortbildungen der Stiftung Zuhören sind nicht in Stein gemeißelt, denn sie passen sich den neuesten Erkenntnissen der „Zuhörforschung“ an. Was muss ich mir unter dieser Forschungsdisziplin genau vorstellen?

    Grundlage jeder Forschung auf dem Gebiet des Zuhörens ist die Vorstellung vom sinnverstehenden Hören. Es geht nicht nur um das Bewusstwerden der auditiven Wahrnehmung, sondern auch darum, was fange ich damit an? Wie verstehe ich etwas, das ich wahrnehme? Beispiel Lesen: Wenn ich Buchstaben kenne, kann ich noch nicht lesen, ich muss die Buchstaben zusammensetzen, zu einem Wort was mir bekannt ist oder das ich vielleicht neu kennen lerne, zu einem Satz den ich dann verstehe, und das ist das sinnverstehende Lesen. Beim Hören ist das genauso. Es ist eine Sache des Lernens: Wir kommen als Hörende auf die Welt aber nicht als Zuhörende, wir lernen das im Laufe des Lebens, dass wir dem was wir hören einen Sinn geben können und das nennen wir im Grunde Zuhören.

    Wie nähert sich die „Zuhörforschung“ nun diesen Themen?

    Es gibt diesen Bereich der Zuhörforschung gar nicht in dem Sinne. Das sind immer einzelne Wissenschaften, die sich dann auch mit dem Zuhören beschäftigen. Zum Beispiel die Leseforschung beschäftigt sich damit, wenn es um Frage der Mündlichkeit geht. Wen es um Frage des Unterrichts geht, dann beschäftigt sich die pädagogische Psychologie mit dem Zuhören. Es wird untersucht, welche Bedingungen notwendig  sind für gute Wahrnehmung im Unterricht. Also wie muss sich Unterrichtsforschung verändern, wie muss sich der Unterricht verändern, damit Kinder die Chance haben gleichermaßen „Hören und Verstehen“ zu können? Wenn es um Frage des Musiklernens geht, dann beschäftigt sich die Musikpädagogik damit. Die Kommunikationsforschung untersucht das kognitive und dialogische Verstehen, wie Menschen miteinander sprechen, wie sie sprechen und zuhören müssen, um von anderen verstanden zu werden. Es gibt keinen Zuhörforscher, der von sich sagen würde, Zuhören wäre jetzt das, was alles abdeckt, das macht ja auch das Zuhören etwas schwierig,  zu verorten, weil es in allem und jedem drin steckt.

    Auf welchem Gebiet forscht die „Stiftung Zuhören“?

    Die Stiftung Zuhören macht keine Forschung, sondern eher praktische Projekte, die  in erster Linie dafür sensibilisieren sollen, dass Zuhören bewusst gelernt werden muss. Dabei lassen wir die neuesten Erkenntnisse der Zuhörforschung natürlich mit einfließen, indem wir  uns  mit den verschiedenen Experten vernetzen, die sich im Rahmen ihrer Disziplin mit dem Zuhören auseinandersetzen. Vieles von dem geht dann in die „Edition Zuhören“ ein – eine Buchreihe, die sich mit den Fragen des Zuhörens beschäftigt – aus der Sicht der pädagogischen Psychologie, der akustischen Raumbedingungen, der Soundscape-Bewegung, des umfassenden Lernens in der frühen Bildung oder der Deutschdidaktik beispielsweise. Die meisten Themen, die das Zuhören interdisziplinär berührt, haben wir beim Funkkolleg „Erlebnis Zuhören“ in hr2-kultur zusammengestellt. Auch daraus ist ein Band in der Edition Zuhören geworden. Da merkt man, wie breit eigentlich dieses Thema ist und in welchen Bereichen es eigentlich vorhanden ist

    Welches sind aktuelle Themen der Zuhörforscher?

    Die Bildungsministerkonferenz hat vor einigen Jahren Bildungsstandards herausgegeben, die die Lehrpläne ablösen sollen in einigen Jahren. Für das Fach Deutsch steht da zum Beispiel explizit drin, dass  im Deutschunterricht „Sprechen und Zuhören“  als Standard erlernt werden und dementsprechend auch nachprüfbar werden soll.  Daher gibt es jetzt einige Kolleginnen und Kollegen, die  sich damit beschäftigen, wie das umgesetzt werden kann. Erste Erkenntnisse sind gerade im neuesten Band von Edition Zuhören (Band VIII) „Zuhörkompetenz in Schule und Unterricht“ veröffentlicht worden. Da kommt Michael Krelle von der Uni Essen zum Beispiel zum Ergebnis, dass es mit der Zuhörkompetenz eigentlich gar nicht so schlecht bestellt ist bei den Schülern, nur die Lesekompetenz ist schlechter,  schlechter als die Zuhörkompetenz. Die Erkenntnis daraus ist also, dass man die Fähigkeit des Zuhörens nutzen muss um Lesen zu lernen. Man muss das viel stärker vernetzen miteinander, sich mehr vom Hören auf das Lesen zu bewegen. Mit „Dreiklang“, einem gemeinsamen Projekt von Stiftung Lesen und Stiftung Zuhören sind wir damit also voll im Trend.

    Wo gibt es zukünftig noch Forschungsbedarf?

    Natürlich könnte man  sagen, dass mehr Methoden entwickelt werden sollten, wie man die Zuhörkompetenz erforscht. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht aber die Sensibilisierungsarbeit: ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Zuhören gelernt werden muss.  Dass Zuhörförderung enorm wichtig ist. Wenn Sie Zuhörförderung, Sprachförderung und Leseförderung bei Google eingeben,  da finden Sie bei den beiden letzteren ungleich viele Einträge.  Zuhörförderung wird immer nur unbewusst mitgedacht, das muss sich ändern. Ein Beispiel: Bei der Sprachförderung ist zum Beispiel Hören eine wesentliche Vorraussetzung für den Spracherwerb – die Melodie und den Rhythmus einer Sprache erlernen, das kann man nicht per Schrift vermitteln. Der Ansatz muss sich ändern: Statt zu schauen was  bei der Sprachförderung raus kommt, müsste man erstmal gucken, was geht überhaupt wie rein?  Den Input anschauen und dann erst den Output. Wie kann ich differenziertes Hören üben, damit ich später Sprache gut sprechen kann? Das sind zum  Beispiel ein paar Aufgaben, vor denen wir stehen.