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    Projektleiterin Elisabeth Utz skizziert das Modell-Projekt „Ohren spitzen“, nennt Überraschendes und gibt einen Ausblick zum bundesweiten Start in 2011

    Seit zweieinhalb Jahren entwickeln Sie „Ohren spitzen!“: Mit Erfolg?

    „Ohren spitzen!“ bewegt etwas – sowohl bei den Kindern als auch bei ihren Erzieherinnen und Eltern. Diese erzählten z.B., ihr Nachwuchs habe sie aufgefordert, nicht so oft durcheinander zu reden, auch mal leise zu sein, zuzuhören. Genau solche Änderungen der Wahrnehmung wollen wir erreichen, denn wer zuhören kann, ist achtsam im Umgang mit anderen und erkennt auch seine eigenen Bedürfnisse besser.

    Alle Bereiche von „Ohren spitzen!“ sind bei Kindern und Erzieherinnen sehr gut angekommen. Überraschend skeptisch sahen einige Erzieherinnen allerdings anfangs die Arbeit mit Medien, also dass die Kinder Hörspiele anhören und selbst welche produzieren. Im Verlauf des Projekts entstand dann viel Teamarbeit und Kreativität: Geschichten wurden erfunden, akustisch aufbereitet und aufgenommen. Die Ergebnisse konnten sich im wahrsten Sinn des Wortes hören lassen, einige wurden auch stolz auf dem Elternabend präsentiert.

    Ist „Ohren spitzen!“ das Synonym für Hörförderung im Kindergartenalter?


    Es ist unser Frühförderprojekt für Kindergärten und Krippen.

    Hat Ihr Konzept die unter Dreijährigen von Beginn an mit eingeschlossen?

        
    Die Notwendigkeit, auch für Krippen Material und Fortbildungen anzubieten, hat sich schnell herauskristallisiert. Krippen stehen gesellschaftlich im Fokus, immer mehr Betreuungsplätze sollen geschaffen werden. Wir brauchen somit stimmige Angebote für Kinder dieser Altersgruppe. In der Pilotphase von "Ohren spitzen"  haben Erzieherinnen erste Ansätze für den Bereich 0-3 entwickelt. Ein spezielles Konzept ist in Arbeit. Das Staatsinstitut für Frühpädagogik wird das gesammelte Material für Krippen bis 2012 wissenschaftlich weiterentwickeln. Eigene Krippen-elemente sollen dann im Rahmen von „Ohren spitzen“ ergänzend angeboten werden.

    Der Entwicklungsprozess von „Ohren spitzen“ läuft noch?

    Wie gesagt, das Krippenmodul ist im Entstehen. Derzeit arbeiten wir im Lektorat an der Schlussabnahme des Lehrmaterials für die Kitas, das wir im Frühjahr kommenden Jahres deutschlandweit anbieten werden. Hierzu werden wir „Ohren spitzen!“ auf der didacta offiziell vorstellen. Sie ist die Leitmesse für das Bildungswesen und findet im Februar 2011 in Stuttgart statt.

    Wie ist das Projekt in den letzten 30 Monaten verlaufen?


    „Ohren spitzen!“ ist im Zusammenspiel von Experten/Referenten mit praxis-erfahrenen Erzieherinnen entstanden. Wir wählten 13 Einrichtungen in Bayern und Hessen aus, die Fortbildungen zu Themen wie ‚Musik’ oder zu ‚Spiele rund ums Hören’ erhielten, es gab z.B. auch einen Schwerpunkt ‚Geschichten erzählen’, in einem anderen ging es um ‚Hörspiele selbst produzieren’. Die Teilnehmerinnen erprobten ihr Wissen in ihrer Einrichtung gemeinsam mit den Kindern und dokumentierten ihr Vorgehen und ihre Erfahrungen. Gemeinsam mit den Experten wurden so insgesamt für die sechs Module jeweils 20-30 Themenkarten mit Anregungen und Ideen entwickelt.

    In einer zweiten Phase testeten dann Erzieherinnen von 26 Kindertagesstätten in Bayern und Hessen das neue Material. Eine wissenschaftliche Entwicklung und Bewertung erfolgte durch den Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und –didaktik der LMU München sowie durch das Staatsinstitut für Frühpädagogik.

    Worin unterscheidet sich „Ohren spitzen!“ von anderen Projekten der Stiftung?


    Der Hauptunterschied liegt in der Altersgruppe. Ein Kindergarten-Set gibt es zwar auch in der HörSpielBox. „Ohren spitzen!“ aber ist komplexer: Hier gibt es Komponenten wie „Musik“ oder „Geschichten selbst erzählen“, oder z.B.  auch „Gefühle mittels Sprache ausdrücken“. Das Konzept geht gezielt ein auf die Bedürfnisse und die Lebenswelt von Kindern im Kindergartenalter.
    Die Einrichtungen, die „Ohren spitzen!“ praktizieren wollen, können eine Hör- und Sprachschatzkiste mit umfangreichem Material fast zum Selbstkostenpreis erwerben. Zudem bieten wir Fortbildungen an.

    Was wird die Hör- und Sprachschatzkiste kosten?


    Es ist viel Material, alles sehr aufwendig und robust hergestellt, um dem Alltag in einer Kindertagesstätte gerecht zu werden: Themenkarten, Hörspiele, Musik-CD sowie eine DVD, ein Handbuch mit einer Einführung zum Thema Zuhörförderung in Kindertagesstätten, Hintergrundwissen zu einzelnen Modulen und Praxis-Tipps. Der Preis liegt vermutlich bei ca. 100 Euro.

    Das Interview führte Stephan Hehne (Juni 2010)