"Zuhören kann man nicht aus Büchern lernen"
Interview mit Judith Schönicke, Hörfunkjournalistin im Bayerischen Rundfunk. Für die Stiftung Zuhören betreut sie die Hörclubs in Bayern und ist an der Konzeption der Fortbildung für Hörclubbetreuer beteiligt.
Frau Schönicke, die Stiftung hat eine umfangreiche Materialbox für die Hörclubarbeit herausgegeben – warum da noch eine Fortbildung?
Wir haben gemerkt, dass es nötig ist, erst einmal in diese Welt des Hörens hineinzufinden. Wenn man die Bücher und Broschüren liest, eignet man sich theoretische Kenntnisse an. Aber es braucht eigene Erfahrungen um zu merken, wie dieses Konzept angelegt ist. Damit man merkt, wie anders ein Raum klingt, wenn man vorher die Augen geschlossen hat und sich wirklich darauf konzentriert: „Was kann ich alles wahrnehmen?“
Augen zu und los – brauche ich zum Zuhören-üben wirklich ein Seminar?
Der Hörclub ist eine Aktivität in der Gruppe, da passiert ganz viel miteinander. Wir wollen ja auch die Freude am gemeinsamen Hören vermitteln. Das kann man nur in einer Gruppe nachvollziehen und auch deshalb ist die Fortbildung sehr wichtig.
Was lerne ich in der Fortbildung genau?
Bei einer Hörclubfortbildung stellen wir zunächst einige Rituale vor, mit denen man Hörclubstunden einleiten kann. Wir fangen an mit Sensibilisierungsübungen, meistens mit Geräuschen - das Üben, auf Geräusche zu hören, sie zu erraten. Wir führen dann ein ins Thema Stimme: Die Teilnehmer machen Erfahrungen, wie ihre eigene Stimme klingt, wie man die eigene Stimme beschreiben kann. Dann geht’s um das Thema Hörspiele: Was ist ein gutes Hörspiel, woran erkenne ich es?
Woran denn?
Ein gut gemachtes Hörspiel ist eines mit guten Sprechern, deren Stimmen zu den Figuren passen, die sie darstellen sollen. Mit Geräuschen, die passen: Die entweder realistisch sind, weil sie eine bestimmte Szenerie zeigen sollen oder die mit Absicht verfremdet sind. Mit Musik, die planvoll eingesetzt ist, die nicht als Soße ausgekippt wird über die Handlung. Und mit einer Geschichte, die dazu anregt, sich über sie unterhalten und an sie anzuknüpfen.
Welche Kenntnisse vermittelt mir die Fortbildung außerdem?
Wir zeigen, wie man eine Aufnahme macht, welche Geräte man dafür braucht, worauf man achten sollte, wenn man sich ein Aufnahmegerät selber anschafft. Wir stellen die Materialien vor, die wir in unseren Hörspielboxen haben, um einen Überblick zu vermitteln. Ja und in der Regel hört es damit auf, als Höhepunkt, dass die Gruppe ein eigenes kleines Hörstück herstellt.
Wie kommt das Angebot bei den Pädagoginnen und Pädagogen an?
Es gibt viele, die merken: „Hoppla die Technik, dass ist ja gar nicht so schwierig, das hätte ich mir ja gar nicht zu getraut, aber es lässt sich ja mit ganz einfachen Mitteln etwas ganz Tolles herstellen.“ Die Teilnehmer entdecken in der Schulung dann auch, welcher Bereich der Hörclubarbeit sie am meisten anspricht, das ist auch ganz wichtig zu wissen. Nur wovon man selber begeistert ist, dass kann man dann mit Begeisterung weitergeben.
Wo kann ich an einer Fortbildung teilnehmen und wie viel Zeit muss ich einplanen?
Wir bieten in Kooperation mit unseren Stifterhäusern sehr viele Fortbildungen an, die in den Rundfunkanstalten stattfinden. Es sind aber auch Fortbildungen in den Einrichtungen oder bei Trägern möglich, die wir auf Anfrage anbieten. Das kann ein Nachmittag sein, das kann ein zweitägiges Seminar sein.
Einige Fortbildungen und Projekte der Stiftung finden noch nicht in allen Bundesländern statt – wie sieht es mit den Hörclubs aus?
Hörclubs können sie überall einrichten: in jedem Kindergarten, in jeder Schule. Sie können sich bundesweit die Materialien bestellen und an einer Fortbildung der Stiftung teilnehmen.
Das Interview führte Annette Hüsken.
Informationen zu demnächst anstehenden Fortbildungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.
Nähere Auskünfte rund ums Thema Fortbildung zum Hörclubbetreuer erteilt Ihnen außerdem gerne:
Volker Bernius (außerhalb Bayern)
bernius(at)stiftung-zuhoeren.de
Judith Schönicke (Bayern)
Tel.: 089 / 5900 1226 / Fax: - 3591
schoenicke(at)stiftung-zuhoeren.de
bernius(at)stiftung-zuhoeren.de
