Die Welt und die Anderen
Hier geht es zunächst darum, Schüler zu sensibilisieren, damit sie Geräusche bewusst wahrnehmen. Dazu werden zahlreiche Übungen geschildert, die sich erfahrungsgemäß einfach umsetzen lassen. Weitere Spielvorschläge geben Anregungen, wie Sprechanlässe und vielfältige Erzählsituationen geschaffen werden können.
Hör-Assoziationen
Den Teilnehmern hören mit geschlossenen Augen ein Geräusch (z.B. CD „Klangoasen“ aus dem Basisset Schule der HörSpielBox) und versuchen herausfinden, in welcher Szenerie es entstand. Danach werden die unterschiedlichen Vermutungen in der Runde vorgestellt. Zum Abschluss wird die Lösung präsentiert.
Variante: Die Geräusch(e) malen lassen.
Pantomimische Ohr-Wendungen
Redewendungen, die mit Hören und Zuhören zu tun haben, werden pantomimisch dargestellt:
Ich bin ganz Ohr!
Sperr mal die Ohren auf!
Wer nicht hören will, muss fühlen.
Die Ohren spitzen.
Nur mit halbem Ohr hinhören.
Das Gras wachsen hören.
Noch grün hinter den Ohren sein.
Die Wände haben Ohren.
Die Ohren auf Durchzug stellen.
Jemandem mit etwas in den Ohren liegen.
Es faustdick hinter den Ohren haben.
Bis über beide Ohren strahlen.
Übers Ohr hauen.
Bis über beide Ohren verliebt sein.
Das ist Musik in meinen Ohren.
Auf taube Ohren stoßen.
Da vergeht dir hören und sehen!
Da schlackerst du mit den Ohren!
Halt die Ohren steif!
Der Rest der Gruppe soll erraten, worum es sich handelt.
Varianten:
1. Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen aufgeteilt, so bekommt das Ganze Wettstreitcharakter. Jede erratene Redewendung gibt einen Punkt.
2. Alle bewegen sich auf Musik durch den Raum. Wird die Musik gestoppt, wird ein Sprichwort vorgelesen und alle Teilnehmenden müssen spontan Paare bilden und das Sprichwort darstellen.
Glöckchen-Übung
Alle verteilen sich im Raum. Einer Person werden die Augen verbunden, jemand anderes bekommt ein Glöckchen in die Hand. Nun muss die Person mit verbundenen Augen dem Glöckchen folgen, sollte dabei jedoch an keinem der anderen Teilnehmer anstoßen. Um dies zu verhindern, muss immer die Person, die gerade ein Hindernis darstellt, ein Geräusch von sich geben, z. B. mit einem Reißverschluss, einer Kette, einem Schlüsselbund o.ä.
Geräuschvolle Filmdosen
Leere Filmdosen werden mit unterschiedlichen Materialien befüllt, z. B. vier Dosen mit Sand, vier Dosen mit Reis, vier Dosen mit Steinen. Jeder Teilnehmer erhält ein Filmdöschen und soll all diejenigen finden, deren Filmdöschen den gleichen Inhalt hat. Dabei dürfen die Döschen nur geschüttelt, nicht geöffnet werden. Wenn sich die Kleingruppe gefunden hat, soll erraten werden, welchen Inhalt das Döschen hat, erst dann darf nachgesehen werden.
Diese Übung dient nicht nur der Sensibilisierung der Hör-Wahrnehmung, sondern kann auch zur Gruppenbildung verwendet werden.
Hörspaziergang
Es werden Zweierpaare gebildet, einer Person werden die Augen verbunden, die andere führt. Die Umgebung soll mit den Ohren erkundet werden. Dabei führt die „sehende“ Person die „blinde“ zu verschiedenen Geräuschen (drinnen und draußen). Nach ca. 5 Minuten wird gewechselt. Im Anschluss daran wird im Klassenzimmer über die Erfahrungen gesprochen:
Was war zu hören?
Was war neu daran?
Wie ging es den Teilnehmenden mit verbundenen Augen?
Wie war der Prozess des Hörens – was hat sich während des Spaziergangs verändert?
Richtungshören
Die Teilnehmer stellen sich frei im Raum auf. Ein Schüler erzeugt ein Geräusch, die anderen Kinder zeigen auf das Geräusch oder gehen auf das Geräusch zu. Anschließend suchen sie das Geräusch (z. B. einen versteckten Wecker, eine versteckte Eieruhr etc.)
Klang hören
Die Schüler schließen die Augen und eine Klangschale wird angeschlagen. Erst wenn die Schüler jeweils meinen, den Klang nicht mehr zu hören, öffnen sie ihre Augen.
Klangmassage
Ein Schüler legt sich bäuchlings auf eine geeignete Unterlage. Eine Klangschale wird auf den Rücken des Schülers platziert und vorsichtig zum Klingen bracht. Die Schallwellen können so intensiv wahrgenommen werden.
Klang schenken
Ein Schüler schließt die Augen. Die Klangschale wird vorsichtig angeschlagen und um ihn herum bewegt. Das Hörerlebnis wird dadurch räumlicher und intensiver.
Frischluft
Ein Fenster wird geöffnet und alle hören genau, welche Geräusche zu hören sind. Danach wird eine Geschichte aus diesen Geräuschen entwickelt.
Papiergeräusche
Die Schüler sitzen im Stuhlkreis: Jeder bekommt ein Stück Papier und der Reihe nach darf jeder mit seinem Papier ein Geräusch machen - es soll möglichst immer ein neues Geräusch sein. Viele sind erstaunt, wie viele Geräusche unterschiedliche Geräusch möglich sind.
Umgebung hören
Alle Schüler sitzen im Stuhlkreis oder auf ihrem Platz, schließen die Augen und hören in die Stille. Danach tauschen sie Plätze, und hören wieder in die Stille. Was klingt gleich, was klingt anders? Woher kommen die Geräusche? Die gleiche Übung kann man mit geschlossenem und offenem Fenster machen.
Geräusch des Tages
Jeder Schüler darf einmal das Geräusch des Tages erzeugen. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen: durch ein Kleidungs- oder Schmuckstück, das der Schüler trägt (z. B. Reißverschluss oder Klimpern einer Kette), durch einen mitgebrachten Gegenstand (z.B. zwei Gabeln, die aneinander stoßen) oder durch das Abspielen einer vorbereiteten Aufnahme. Die anderen Schüler erraten das Geräusch.
Geräuschlawine
Die Schüler stehen im Kreis. Einer Kind fängt an, einen Laut oder ein Geräusch zu produzieren, zunächst ganz leise (z.B. lachen). Fortlaufend übernehmen die Nachbarn das Geräusch, wobei wichtig ist, dass das erste nicht verstummt, sondern dass am Ende alle Schüler das gleiche Geräusch machen. Wenn das Geräusch beim letzten Schüler ankommt, erzeugt der zweite in der Reihe ein neues Geräusch und eine neue Lawine beginnt.
Glitzerstein, Kieselstein, Schlüsseldieb
Ein Schüler sitzt mit verbundenen Augen in der Mitte des Stuhlkreises und bewacht einen Stein oder Schlüssel. Ein anderes Kind schleicht heran und versucht, den Gegenstand zu stehlen. Der Schüler in der Mitte muss gut hinhören - der Diebstahl gelingt nur, wenn er nichts hört!
Kofferpacken mit Geräuschen
Die Schüler sitzen im Kreis und der erste beginnt: „Ich packe meinen Koffer und nehme ein … mit“ (er macht ein Geräusch). Der zweite setzt fort: „Ich packe meinen Koffer und nehme ein – hier nennt er das Geräusch des vorherigen Schülers – und ein … mit“ (und macht ein neues Geräusch). So geht es immer weiter, sodass der „Koffer“ mit verschiedensten Geräuschen gefüllt wird.
Ein Bild entstehen lassen
Nach dem Schema von „Ich packe in meinen Koffer…“ (s.o.) entsteht eine Geschichte: Z. B. „Bei Tante Rosa steht im Wohnzimmer ein grünes Plüschsofa.“ Der nächste muss immer alles wiederholen, was der Vordermann gesagt hat und anschließend noch etwas Neues hinzufügen. So entsteht ein Bild, wie es bei Tante Rosa im Wohnzimmer aussehen könnte.
Erzählfaden
Aus gleich langen Wollfäden unterschiedlicher Farbe (Anzahl entsprechend der Schülerzahl) wird ein langer Erzählfaden zusammengeknotet. Dann wird dieser Faden zu einem Knäuel aufgewickelt. Der Wollknäuel wird im Kreis weiter gereicht. Jeder Schüler darf so lange eine Geschichte erzählen, bis sein Erzählfaden aufgewickelt ist.
Variante: Ein Thema wird vorgeben und eine Geschichte dazu muss immer weiter erzählt werden. Jeder Erzähler bezieht sich auf die vorhergehende Geschichte des Klassenkameraden.
Dinge im Korb
Die Lehrkraft gibt im Sitzkreis einen Korb reihum weiter, in dem sich verschiedene Gegenstände befinden. Jeder darf sich drei Dinge herausnehmen und erzählt dazu eine Geschichte.
Gegenstand weitergeben
Ein Gegenstand, z.B. eine Sonnenbrille, wird reihum weitergereicht und jeder erzählt ein bis zwei Sätze über ihn.
Gegenstände lebendig machen
Jeder bekommt einen Gegenstand (z- B. eine Muschel, eine Feder, oder ein Gummibärchen und überlegt sich dazu eine Geschichte. Nun werden Paare gebildet, die sich gegenseitig ihre Geschichte erzählen. Danach werden die Gegenstände ausgetauscht und neue Paare gebildet. Nun erzählt jeder die Geschichte, die er gerade gehört hat, danach werden erneut neue Paare gebildet. Nach drei weitergegebenen Gegenständen wird die zuletzt erzählte Geschichte in der Klasse vorgestellt. Interessant für die Schüler ist, dass oft völlig andere Geschichten herauskommen.
Fernsehansage
Ein großer Karton, aus dem man einen Bildschirm schneidet, dient als Fernseher. Die Schüler überlegen sich, welche „Sendung“ sie machen wollen. Sie können entweder die neuesten Nachrichten verlesen, eine Geschichte erzählen oder Gedichte vortragen. Wichtig ist nur, dass man ihnen mit dem „Bildschirm“ eine Bühne schafft. Das verändert den Auftritt für die Schüler sehr und motiviert sie, zu sprechen.
Erzählen ohne Reaktion
Die Schüler gehen paarweise zusammen und erzählen sich gegenseitig je zwei Minuten eine Geschichte oder ein Erlebnis, das sie selbst hatten. Der jeweilige Zuhörer soll bewusst nicht zuhören, d. h. er darf kein Rückmeldeverhalten zeigen: nicht nicken, eine unbewegte Mimik zeigen, kein Wort sprechen.
Wichtig: Für diese Übung sollten Sie die Gruppe gut kennen, da sie starke Emotionen auslösen kann. Es wird sehr deutlich, wie wichtig aktives Zuhören für beide Seiten ist. Eine anschließende Reflexion ist notwendig.
Gesagt – gehört – gemalt
Die Schüler gehen paarweise zusammen, sitzen mit Körperkontakt Rücken an Rücken und beschreiben sich gegenseitig eine Kunstpostkarte. Danach versuchen sie, diese auf Grund der Beschreibung zu malen. Dazu haben sie 20 Minuten Zeit. Die Karte darf nicht gezeigt und keine Rückfragen gestellt werden. Danach werden die Bilder aufgehängt und in lockerer Form über Unterschiede und Gemeinsamkeiten gesprochen. Im Mittelpunkt der Betrachtungen sollte hier die Frage des Einfühlungsvermögens in andere stehen.
