Verena Weigand, Referentin für Jugendschutz und Medienpädagogik, und Stefan Sutor, Hörfunkreferent im Bereich Programm bei der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM), sprechen über Schulradio Bayern, Zuhören und Medienkompetenz.
Ansprechpartner: Stefan Sutor
sutor(at)stiftung-zuhoeren.de

Frau Weigand, welche Bedeutung hat das Zuhören, speziell in der Schule?
Verena Weigand: Das Zuhören hat natürlich einen hohen Stellenwert in der Schule, da viele Inhalte im Gespräch vermittelt werden. Wenn die Kinder und Jugendlichen nicht für längere Zeit konzentriert zuhören können, sind sie auch nicht in der Lage, dem Stoff zu folgen. Deshalb ist es wichtig, das Zuhören so früh wie möglich gezielt zu fördern.
Kann man das Zuhören durch Radioprojekte in der Schule fördern?
Verena Weigand: Das Radio ist ja das Zuhörmedium schlechthin. Wir sind damit aufgewachsen und auch heute hören die Kinder gerne Radio. Durch aktives Radiomachen setzen sich die Schüler intensiv mit einem Thema auseinander. Dabei lernen sie vor allem auch, einen Beitrag so zu schneiden, dass andere gerne zuhören wollen.

Herr Sutor, was ist das Schulradio Bayern?
Stefan Sutor: Schulradio Bayern ist eine Online-Plattform, die es Schulradiogruppen möglich macht, ihre Beiträge zu veröffentlichen. Auf diese Weise können die Beiträge gehört und verbreitet werden. Das Besondere ist, dass man eine Playlist zusammenstellen und mit einfachen Mitteln den eigenen Schulradioplayer auf die Website der Schule setzen kann. Außerdem bietet die Seite www.schulradio-bayern.de eine Orientierung für Lehrer, die mit ihren Klassen eigene Radioprojekte planen und gibt Anregungen für deren Arbeit.
Unterstützen Sie die Schulradioprojekte auch auf andere Weise?
Stefan Sutor: Wir stellen den Klassen, die ein Radioprojekt planen, Schulradiocoaches zur Verfügung. Diese kommen von Lokalradiostationen und werden von uns pädagogisch geschult. Sie unterstützen die Lehrer bei technischen und journalistischen Fragen.
Kann jede Klasse ein Radioprojekt starten?
Stefan Sutor: Ja, das ist das Schöne an diesen Projekten. Es gibt sie für jede Schulform und Altersstufe. In der Grundschule werden einfache Reporterübungen gemacht oder einfache Hörspiele. Ältere Schüler machen eher Informationsbeiträge und die Profis können auch anspruchsvolle Hörspiele erstellen. Es gibt sehr viele kreative Möglichkeiten. Tatfunk, das Radioprojekt für die Oberstufe, stand sogar Pate für das P-Seminar, in dem sich die Schüler praktisch ausprobieren können. Das Praxisseminar inzwischen fest im Lehrplan vorgesehen und kann natürlich in Form eines Radioprojekts durchgeführt werden.
Welche Bedeutung hat das Radiomachen für die Schüler?
Stefan Sutor: Ich kann das natürlich nur aus zweiter Hand berichten, aber von Lehrern weiß ich, dass die Zusammenarbeit in der Gruppe hervorragend funktioniert. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt in dem sich jeder nach seinen Fähigkeiten einbringen kann. Jeder Schüler findet seine Rolle, sei es als Moderator, der frei von der Leber weg reden kann, oder der introvertierte Techniker, der einen tollen Beitrag schneidet. Viele Schüler können sich in dem Projekt auf ihre Weise bewähren. Und die Schule macht so auch mehr Spaß.
Frau Weigand, welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen Zuhören und Medienkompetenz?
Verena Weigand: Medienkompetenz bedeutet selbstbestimmt und kritisch mit Medien umzugehen. Richtiges Zuhören ist eine Voraussetzung, um Informationen herausholen, filtern und kritisch beurteilen zu können.
Was trägt das Schulradio zur Medienkompetenzförderung bei?
Verena Weigand: Die Kinder und Jugendlichen können im schulischen Rahmen einen Radiobeitrag machen oder ein Hörspiel umsetzen. Dabei lernen sie, sich im Radio zu äußern und die Informationen richtig zu vermitteln. Natürlich erfahren sie so auch, auf welche Weise Information in den Medien präsentiert wird und lernen, kritisch damit umzugehen.
Interview von Gabriele Fischl
